Petit pays

La na céu bo é um estrela
Ki ca ta brilha
Li na mar bo é um areia
Ki cata moja
Espaiod nesse monde fora
So rotcha e mar

Terra pobre chei di amor
Tem morna tem coladera
Terra sabe chei di amor
Tem batuco tem funana

Oi tonte sodade
Sodade sodade
Oi tonte sodade
Sodade sem fim

Petit pays je t’aime beaucoup
Petit petit je l’aime beaucoup 

 Kleines Land

Dort oben am Himmel bist du ein Stern
der nicht glänzt
Hier im Meer bist du ein Sandkorn
das nicht nass ist
Verstreut in der Welt draussen
Nur Felsen und Meer

Armes Land voller Liebe
Du hast Morna und Coladera
Gutes Land voller Liebe
Du hast Batuku und Funana

Oh soviel Sodade (Sehnsucht)
Sodade Sodade
Oh soviel Sodade (Sehnsucht)
Sodade ohne Ende

Kleines Land ich liebe dich sehr


Lied der kapverdischen Sängerin Cesária Évora 

Die Musikanten haben es sich bequem gemacht, denn sie werden spielen und spielen. Bis die Sonne wieder den Himmel erleuchtet, der Grogue versiegt und die Tänzer müde werden. Nur die Sänger und Sängerinnen stehen tapfer, sie wechseln sich ab und tragen mit einem unglaublichen Leuchten in den Augen ihre Lieder vor. Anfangs durchzuckt hin und wieder mal ein schiefer Ton ihren Gesang, doch nun sind sie warm gelaufen und ihre Stimmen werden immer voller und leidenschaftlicher. Drum herum bebt das Dorf, alle sind da. Die wettergegerbten Fischer, der Rasta, die Bauern, die studierten Kids und die Dorfschönheiten, die sich heute ganz besonders in Schale geworfen haben. Es wird getanzt, gequatscht und der Grogue fliesst in Strömen. In der Mitte schwebt Big Mama, schmachtend wirft sie ihren Kopf in den Nacken, schwingt die breiten Hüften und verdreht die Augen gen Himmel. Die nicht mehr ganz junge Fregatte hat vom Bier schon ziemlich Schlagseite, doch sie lässt es sich nicht nehmen, sich immer wieder einen Jüngling zu krallen, mit dem sie ein paar Runden über das Parkett drehen kann. Brav geben die Jungs ihr Bestes und wirbeln die Dame durch den Raum, wofür sie dankbar mit einem dicken Schmatz auf die Wange belohnt werden.

Es ist Samstag Nacht, Zeit für die melancholische Morna und die lebensfrohe Coladeira. Diese Rhythmen sind wie das Blut in den Adern Caboverdes, sie handeln sowohl von der Liebe, der Lebensfreude und der Schönheit der Inseln als auch von Heimweh, Sehnsucht sowie all den Problemen des gebeutelten Afrika. Doch ist das Leben noch so hart und voller Armut in der oft rauen und unwirtlichen Natur dieser Inseln, die Menschen lieben ihre Inseln, ihre Kultur und lassen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen. Und stolz sind sie auf ihre Inseln! Sobald man an den kleinen Freuden teilnimmt wird man freundlich begrüsst, aufmunternd mit einem Lächeln bedacht und fühlt sich willkommen. Besonders hier auf Santo Antao, wo der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckt.

Auch uns hat der Zauber der Inseln gepackt. Besonders an diesem Tag der so voller Eindrücke war, dass wir kaum wissen, wohin damit…

Am Morgen starten wir mit den Sammeltaxi hoch in die Berge. Wir sausen über Serpentinen innerhalb einer Stunde durch drei Klimazonen. Vom wüstenähnlichen Küstenstreifen geht es durch ein tropisches Tal voller Bananen-, Papaya- und Kaffeestauden, über schmale Berggrate hoch bis an einen Kraterrand. Wir steigen aus in einem Pinienwald und das Klima ist auf einmal eher mediterran. Zu Fuss laufen wir auf schmalen Eselspfaden langsam durch die Wolken wieder hinab. Es ist so ruhig, dass die raschelnden Blätter eines kleinen Eukalyptushain zu einem wahren Konzert in unseren Ohren werden. Ein paar Stunden später erreichen wir ziemlich ausgehungert die tropische Talsohle und stranden zwischen Zuckerrohr und Mangobäumen bei Alfred. Der Österreicher ist schon vor über 30 Jahren hier gelandet und hat sich einen wahren Garten Eden aufgebaut. Gibt es jetzt einen langsam aufblühenden Tourismus auf der Insel, gab es damals noch so gut wie keine Fremden, 35km Strasse und maximal sechs Autos. Nach dem Motto: „Was mir fehlt mach ich eben selber!“ hat er sich ausgehend von zwei ausrangierten Containern ein Haus gebaut, das umgeben ist von einer unglaublich saftig und gesund erstrahlenden Mischkulturplantage, Avocadobäumen, Bienenstöcken, einer Schnapsbrennerei, einer Käserei  und so Einigem mehr. Mittlerweile lebt das „Oberhaupt“ einer internationalen Grossfamilie nahezu autark und braucht auf nichts zu verzichten. Er macht einfach, „learning by doing“, ohne viel Aufsehen zu erregen und die kapverdischen Nachbarn machen mit, denn es gibt viel von den Vorzügen des Biolandbaus und den Künsten österreichischer Schnapsbrennerei abzugucken. Im Hofladen futtern wir uns für kleines Geld durch wahre Geschmacksexplosionen seiner Eigenproduktion. Eigentlich wussten wir garnichts über dieses Projekt, sind hier eher zufällig und vom Hunger getrieben reingestolpert, doch wir verquatschen uns gnadenlos mit Alfred. Er ist uns auf Anhieb sympathisch. Nicht nur wegen seinem langen Haar und Rauschebart, dem Che-T-Shirt und dem proper grinsenden Enkelkind auf der Schulter, er strahlt einfach eine unglaubliche Zufriedenheit aus. Wir spinnen rum über das Segeln, Aussteigen, neue Projekte, Schnapsbrennen, Ackerbau und plötzlich bricht die Dämmerung herein. Da wir noch einige Kilometer Heimweg vor uns haben, reissen wir uns mit dem Kopf voller Träume und der Einladung doch „unbedingt wiederzukommen, falls wir uns niederlassen wollen“, er habe noch ein Stück Land und verschiedene Projektideen, los.

Die Nacht bricht herein, während wir langsam durch das wunderschöne PAUL-Tal Richtung Meer laufen. Als uns die Füsse zu schwer werden erleben wir eine neue Facette kapverdischer Gastfreundschaft. Wenn ein Auto kommt, hebt man einfach die Hand und „Zack“ hält es an. So hangeln wir uns von Dorf zu Dorf die Küste entlang zurück nach Ponta do Sol, wo unser Bett und eine heisse Dusche warten. Doch von wegen! Es ist Samstag und der Tag ist noch lange nicht zu Ende! Wir wollen eigentlich nur noch kurz etwas Kleines essen bevor wir zurückkehren, doch dann bauen die Musiker ihre Instrumente auf, das Dorf strömt in das kleine Restaurant und der Anfang dieses Beitrags und einer heißen Nacht beginnt….

Zurück in Mindelo stellen wir fest, dass unsere Freunde von der NEPOMUK doch noch nicht los sind. So finden wir noch Zeit uns von dem mexikanisch/italienischen Paar, mit dem wir ein paar extrem lustige Abende erlebt haben, zu verabschieden. Schnell werden noch ein paar Eindrücke, mexikanische Chilis, ein Kefirpilz und indische Gewürze zwischen unseren Booten getauscht und dann legen sie auch schon ab mit ihrem schönen alten Stahlpott, über den Atlantik, Ziel Trinidad. Auch wir füllen die nächsten Tage unser Boot mit Proviant und Wasser und hängen uns mit der INTI in die Bucht vor Mindelo an den Anker. Am nächsten Morgen starten wir Richtung Maio, wo wir nach einer 35-stündigen, ziemlich rauen und ruppigen Überfahrt im Mondschein unseren Anker werfen. Am nächsten Morgen erblicken wir das nächste Paradies der Kapverden. Das einzige Segelboot das noch in der Bucht liegt gehört einem Schweizer-Neuseeländischem Paar mit zwei Kindern. Die wollten eigentlich auch weiter nach Brasilien. Das war vor drei Jahren, mittlerweile betreiben sie die Bar am Strand….ohoh…akute Hängenbleibgefahr….