Am nächsten Tag schon hieß es dann „byebye Dover“, die Sonne lachte nur so vom strahlend blauen Himmel und, als wär nichts gewesen, schweben wir durchs Meer, die raue Südküste Englands entlang. Wir stellten die Windsteueranlage ein und machten es uns gemütlich. Schnell war mal wieder beschlossen: okay, okay- wir fahren die Nacht durch, soweit wie wir kommen.

Puhhh, irgendwo nach Sonnenuntergang haute der Kapeffekt mit einer Wucht und Plötzlichkeit rein, beschleunigte uns mit einem Mal von etwa 5,5 Knoten auf satte 8, dass wir erstmal Luft holen mussten, bevor wir uns dem Geschwindigkeitsrausch hingaben. In dieser Nacht teilten wir uns die Nachtwachen, so dass Capitana im Sonnenaufgang die Pinne an Capitano überreichte, der dann mit winzigen Äuglein erstmal sein blaues Wunder erlebte, da es vor der Isle of Wight wie auf einem Rummelplatz zuging: Luftkissenboote kreuzten den Weg, eine Horde Schwimmer, Ruderer und große Frachtschiffe, Fähren und alles, was Schwimmen kann oder nicht. Wir gingen trotzdem in die Marina von Cowes, duschen, essen, schlafen. Doch abends erwachte Cowes erst richtig: die gelangweilten Adeligen stiegen in ihre Vorkriegsflieger und veranstalteten direkt vor unserer Nase eine irre Flugshow, während  die Kreuzfahrtschiffe, die  zwischendurch von Irgendwoher aufgetaucht waren, eine Runde nach der anderen drehten. Was für ein Spektakel. Eine Zirkusvorstellung, und wir in der ersten Reihe!!!!

Am nächsten Tag füllten wir unseren Wassertank, ab zur Tanke und den Dieseltank befüllen. Juhuuuu-startklar, Tide und Strömung stimmen: los geht’s! Doch was ist das denn schon wieder? Beim Drehen des Zündschlüssels ein müdes: Klack. Das wars. Klack. Capitano runter in den Motorraum, die Batterienspannung gemessen, alles okay, trotzdem vom Tankwart Überbrückungskabel geliehen, aber daran liegt es nicht. Okay. Was nun? Auf dem Weg hatten wir ne Volvo-Werkstatt gesehen, der Tankwart ruft für uns dort an und schon kommt der Mechaniker mit dem Gummiboot vorbei, baut den Anlasser aus und nimmt ihn mit. Jetzt heißt es zittern und bangen: Brauchen wir nen neuen oder kann er den alten reparieren? Nach ner guten Stunde nähert sich das Schlauchboot und mit ihm der Mechaniker mit unserem alten Anlasser, den er aber etwas übergepinselt und aufpoliert hatte. „It wos fuuhl of wohhterr“ Äh ja,wir hatten da mal n Leck und der Motor stand komplett im Wasser….Naja, flugs eingebaut, Schlüssel gedreht und schon surrte Smutjes alte Lady wie eh und je vor sich hin. Und nun schnell los, doch schnell konnten wir uns in die Haare schmieren denn die Strömung war gegen uns und wir hackten uns nur so durch die Needles.

Ah ja, auf der Karte ist ein Ankerfeld eingezeichnet, da geht’s hin….Die Sonne ging unter und jetzt wurde es echt tricky, denn nirgendwo war auch nur ein vor Anker liegendes Schiff zu entdecken. Wir ließen dann vor Christchurch trotzdem den Anker sinken, kochten uns was, Vino Tinto dazu-klar, und ab ins Köjchen. Bei Tageslicht sahen wir, wie idyllisch wir vor Anker lagen: direkt vor einem Strand und dahinter eine kleine Kathedrale (wie konnte es anders sein, irgendwo steht ja immer entweder ne Burg, ein Schloss, eine Kirche oder Kathedrale herum….). Weiter  dann bei strahlend blauem Himmel OHNE Wind und Welle, also mit Motor Richtung Lyme Regis, wo die nächste Ankerbucht sein sollte. Abends kamen wir an und gingen vor eine Mooring.

Tags drauf dann 1. der lang ersehnte englische Nebel, kalt und grau, 2. Capitanas Hexenschuss, dank unserer Physiotherapie-Videos von Maik Herold schnell in den Griff bekommen, 3. die gemeine Lakritzschnecke (snailus negrus haribus), die, Merkmale: süß, klebrig und schwarz, Capitana auch noch nen halben Zahn rausriss…..joahhhhhh, wir ham trotzdem gelacht.

Nachmittags dann Brixham, wo wir dann endlich mal Fish&Chips gegessen haben und ein Bierchen im Pub tranken, Wäsche waschen konnten und sauheiß duschen-eine Wohltat! Wir entschließen uns, noch einen Tag zu bleiben, da Brixham wirklich nice ist, mit den bunten Häusern in den Hügeln hat es uns einen kurzen Augenblick an Valparaiso im Miniaturformat erinnert, und so stapfen wir durch die kleinen Gassen, bestaunen die phantasievoll gestalteten Häuserfassaden, teilweise mit kleinen Seeteufeln, Meeresungeheuern und Nixen verziert, einen Vorgarten voller Gartenzwerge und den Stadtteil, der Furz(e)ham heißt.

Am nächsten Morgen: DingDong- Überraschung: hier ist der Zoll, wir möchten an Bord kommen. Kein Problem, den Holländischen und Französischen haben wir ja auch überlebt, warum jetzt nicht auch der Britische?! Das übliche Prozedere: hat Ihnen jemand irgendwo etwas gegeben, haben sie Drogen oder Waffen („JA, eine Machete“) an Bord? Einer schaut in unsere Schapps, die anderen machen ein liebes Gesicht und einfach ihren Job. Das „Just married“-Schild hinten am Boot macht auch immer Eindruck und so kam der britische Zollbeamte auch erstmal ins Schwärmen, wenn er nächstes Jahr dann seine Verlobte heiratet und wie die Vorbereitungen so laufen…..Als nächstes liefen dann Hannes und Petra mit ihrer „HerzDame“ ein, wir hatten sie schon in Calais kennengelernt, und so kamen wir ins Schwatzen und Schwatzen, die Zeit verging….Nachmittags fuhren wir dann los, doch drehten wir auf halber Strecke um, es war zu nervig mit Wind und Welle von vorn, dass wir lieber nen Abend mit Hannes und Petra mit lustigen Schwanks aus unserem Travellerleben verbrachten.

Dann Salcombe, ein wunderschönes Panorama mit Regenbogen in der Einfahrt und nachts Sauwetter mit Hagel und Gewitter….Dann weiter nach Plymouth, wo wir unser Änkerchen auswarfen. Doch die Ruhe währte nicht lang, denn Smutjes wachsames Ohr vernahm des nächtens ein seltsames Geräusch und schmiss die Capitana aus der Koje. Grund des ganzen Theaters: der Wind hatte gedreht und das Ufer schien bedrohlich nah…Also: Anker raus: es regnete in Strömen, und nun in der finsteren Nacht einen neuen Platz suchen. Wir machten an einer Mooring fest, wurden aber am Morgen vertrieben, da dies Privatmmorings waren. Also zu nem anderen Mooringfeld, wo wir uns erstmal bei unseren Freunden von der „HerzDame“, die letzte Nacht den gleichen Heckmeck hatten, nebenan festmachten. Der Hafenmeister signalisierte uns, dass wir umparken sollen aber was denn nu????? Beim Starten das uns allzugut bekannte Geräusch: Klick. Mehr nicht. Oh no. Der Anlasser. Also zur freien Mooring geschleppt worden und ans Land mit Wassertaxi. Der Hafenmeister organisiert alles für uns und am nächsten Tag fahren wir mit der Fähre rüber nach Plymouth und bekommen in einer Werkstatt einen nagelneuen Anlasser. Wir streunen noch ein wenig durch die Stadt, doch ist uns der Rucksack mit dem Anlasser dann doch zu schwer, um gemütlich zu bummeln und wir düsen zurück. Der Anlasser funktioniert und so schaukeln wir gerade (hart am Wind, ohne Motor) nach Falmouth,  unserer ersten Blauwasseretappe durch die Biskaya entgegen. (Nun sind wir auch da, haben im Dunkeln den Anker geschmissen, alles ruhig und still). Wird auch Zeit, denn nachts  wird es bitter kalt und feucht und auch jetzt fahren wir mit  Ölzeug und warmen Pullis und Wollsocken durch die Gegend…..BRRRRRRR, ab nach Spanien oder Portugal!