„Planet der Affen“ Science-Fiction-Film mit Charlton Heston von 1968. Angeblich teilweise gedreht auf Lanzarote.

Nach vier Tagen auf See sind wir hier genau richtig um ein paar Runden Schlaf nachzuholen und uns ordentlich zu entspannen. Was wollen wir mehr? Auf der Insel läuft der Alltag langsam ab, Siesta inbegriffen, und von Hektik keine Spur. Die Tage gehen ins Land, die Sonne muss eh erst über die große Schwester Lanzarote hinüber, bis sie uns mit ihrer vollen Pracht und Wärme aus der Koje kitzelt. Und wir sind richtig glücklich hier. So hatten wir uns das oft vorgestellt: ein Leben in der Sonne, auf das Mindeste beschränkt. Im Dorf gibt es drei kleine Supermärkte, einen Obst-, Fisch- und Fleischladen und das wars. Und nach fünf Monaten AUF See gehen wir zum ersten Mal baden, IN die See. Kalt, aber wunderbar erfrischend im türkisblauen Atlantik.

Die Gemeinschaft am Steg rückt näher zusammen, nicht nur, dass die Kinder herzliche Freundschaften schließen. So kurz vor Weihnachten gehen dann die ersten leisen Anfragen ein, ob Smutje nicht in ein rotes Kostüm mit weißem Bart schlüpfen möchte, um die Kinder noch  glücklicher zu machen. An einem weinseligem Abend wird dies besiegelt und dem Weihnachtsmann in spe werden die wichtigsten Eckdaten zu den Kindern übermittelt.  Nun kommt doch ein wenig Aufregung auf. Ein Buch muss her, denn ohne kann der Weihnachtsmann nicht erscheinen. Das Beiboot muss aufgebaut werden, doch die Kinder sollen keinen Verdacht schöpfen. Für das Barbecuedinner muss eingekauft und vorbereitet werden, nach und nach trudeln die Geschenke ein, mit denen der Sack gefüllt werden soll. Laute Seemannslieder dröhnen vom Nachbarschiff herüber, Freddy Quinn und Hans Albers singen sich das Herz frei und es entsteht eine erwartungsvolle Atmosphäre. Die Spannung steigt, die Gemeinschaft hat sich in Schale geschmissen und flaniert über den Steg. Die Kinder platzen fast vor Aufregung, sie sehen rote Zipfelmützen in den Bergen von Lanzarote oder am kleinen Strand von Graciosa. Doch die Großen müssen erstmal den Grill anschmeissen, Gespräche führen und nichts passiert. Doch da!!!! Was kommt denn da? Ein kleines Bananenboot nähert sich dem Steg, und wer rudert da längs??? Der WEIHNACHTSMANN!!! Mit einem Fernglas erkundet er die Lage und hat schnell drei ungeduldige Kinder ausgemacht. „Sind das die Kinder aus Hamburg und Berlin?“ „Jaaaaaaa!!!“ „Helft ihr mir, das Boot festzumachen?“ Schnell sind die Leinen fest und Smutje wackelt mit seinem dicken Bauch (Kissen!!!) und dem prallgefüllten Sack auf den Katamaran. Zunächst müssen unzählige neugierige Fragen beantwortet werden, wo denn die Rentiere seien, wie er über den Berg gekommen ist und warum mit einem Boot. Es werden Gedichte aufgesagt und endlich in den großen Sack gegriffen und Unmengen von Geschenken verteilt. So schnell wie er gekommen ist, ist er auch schon wieder weg, die Kinder helfen, die Leinen loszumachen und schon verschwindet er irgendwo am Horizont. Nun widmen die Großen sich den unzähligen Leckereien, während die Kinder sich über ihre Geschenke hermachen. Es wird ein gemütlicher Abend in fröhlicher Runde. Tags drauf gönnt sich die Crew einen Besuch im Restaurant mit Tapas und Vino Tinto, bevor es in die Kirche gehen soll. Eine schöne kleine Dorfkirche, mit einem Holzschiff und vielen Fischernetzen ausstaffiert, die Kanzel besteht aus einem hölzernen Steuerrad. Die Crew macht sich also auf zur Kirche, vor der sich auch schon die Steggemeinde zusammengefunden hat. Der Priester kommt nun vorbei, um die Gemeinde zu begrüssen. Englisch? Deutsch? Ja, deutsch. Schon kramt er einen Zettel mit der Weihnachtsgeschichte heraus-wer möchte die denn verlesen? Alle Blicke senken sich zu Boden und mit einem Mal hält Capitana den Zettel in der Hand. Na schön, schon über 40 Mal gehört, was kann da schon schiefgehen? Die Kirche füllt sich zusehends, hauptsächlich Frauen und Kinder. Der Gottesdienst beginnt mit einer kleinen Prozession, und siehe da (!): Nele vom Nachbarschiff trägt das Jesuskind herein, begleitet von spanischen Kindern. Strohblond unter Dunkelhaarigen. Das Christkind wird liebevoll abgelegt und nun kann die Messe beginnen. Viel wird geredet und (ohne Orgel) schwungvolle Weihnachtslieder angestimmt. Dann ist Capitana an die Reihe. Smutje voll des Lobes: „Ohne einen Versprecher lässig und souverän runtergelesen…“ Kurz vor Ende kommen dann auch die Männer in die Kirche, ob die solange in den Pinten gesungen hatten….? Nach der Messe werden wir dann in den Gemeindesaal zum gemeinsamen Kakaotrinken eingeladen, flüssige dicke Schokolade und süßen Kuchen dazu. Irgendwann seilen wir uns dann ab und trinken mit der „Jasina“ noch einen Weihnachtsabsacker.

Für den nächsten Tag ist eine Inselsafari geplant. Mit zwei Jeeps mit Fahrern einmal um die Insel. Wir besichtigen Lavahöhlen durch die das Meer nur so zischt, die andere Sechs-Häuser-Siedlung der Insel und letztendlich den Playa de las Conchas. Wild stürmen die Wellen ans Ufer. Mitten in den Wellen badet eine Familie. Gut, denken wir uns, sicher Spanier, die hier mit dem Meer vertraut sind. Aber nicht ganz ungefährlich. Und schon im nächsten Moment sehen wir sie mit den Wellen weiter auf das Meer hinaustreiben, verzweifelte Versuche unternehmend, in Richtung Strand zu schwimmen. Ein Mann der Gruppe, welcher am Strand geblieben ist, ruft schon um Hilfe. Capitana rennt hoch zu den Jeepfahrern, die völlig gelassen reagieren: „Ist das jemand aus eurer Gruppe?“ „Nein, ist egal, da brauchen vier Menschen Hilfe!!“ Zögerlich zücken sie ihre Handys und auch andere Menschen telefonieren. Letztendlich kommt für zwei Menschen dieser Gruppe der Hubschrauber und das Rettungsboot zu spät, vor Smutjes Augen ertrinkt ein Mann in den reißenden Fluten. Er und die anderen versuchen, die Gruppe im Auge zu behalten, während Capitana mit anderen der Gruppe versucht, die Kinder vom Geschehen abzulenken. Schweigsam fahren wir zurück nach Caleta de Sebo, jeder mit sich selbst beschäftigt. Doch dieses Erlebnis hat uns noch einmal mehr vor Augen geführt, welchen Respekt man vor der Natur und ihren Gewalten haben muss. Wir lieben auf Reisen die Abgeschiedenheit der Strände, doch dies hat eben auch seine tückischen Seiten. Mit der Verarbeitung des Geschehenen beschäftigt geht das Leben am Steg etwas leiser weiter. „Jasina“ verabschiedet sich am folgenden Tag nach Arrecife und am Silvestermorgen bricht dann die „Atika“ auf.

Wir haben das Erlebte so einigermaßen verdaut und sind in Gedanken schon bei unserem Besuch, denn Christian und Nadine aus Berlin machen gerade Urlaub auf Lanzarote und wollen uns zu Silvester besuchen kommen. Das Leben auf der Insel wird gen Silvester auch immer geschäftiger, aus dem verschlafenen Eiland wird ein bunter Rummelplatz. Scheinbar feiert die komplette Jugend Lanzarotes Silvester hier. Eine Fähre nach der anderen spuckt Unmengen an gut gelaunten unternehmungslustigen Menschen aus. Essen gehen? Weit gefehlt. Alles komplett durchreserviert. Also machen wir uns daran, viele kleine Leckereien zuzubereiten, Tapas eben. Am Fähranleger ist die Freude groß, lange haben wir uns nicht gesehen, die Heimat rückt ein Stückchen näher. Wild plappernd verbringen wir den Abend mit Essen und Trinken. Die Beiden haben von ihrem Hotel für die verpasste Silvestergala eine Überraschungstüte mitbekommen, die von uns hoffnungslos geplündert wird. Masken, Tröten, Nasen, Brillen, riesige goldene Fliegen zu Umbinden kommen zum Vorschein! Gut ausstaffiert laufen wir gegen 24h Richtung Strand, doch schon auf halbem Weg ist es soweit und wir fallen uns fröhlich in die Arme. Verpasst haben wir am Strand auch nichts, denn der Spanier hat das Feuerwerk auf manana verlegt, es beginnt dann eine halbe Stunde später. Viele lustig verkleidete junge Menschen tanzen am Strand Cumbia, das ist an diesem Abend die vorherrschende Musikrichtung. Schonmal ein Vorgeschmack auf Lateinamerika, Karneval…..

Am nächsten Tag laufen wir zum schönsten Strand der Insel, dem Playa Francesca, ähäm, den hatten wir noch gar nicht gesehen, obwohl  direkt um die Ecke. Nadine und Smutje schmeissen sich in die Fluten, vielleicht auch, um den Kater abzuschütteln, während Christian und Capitana gemütlich am Strand chillen. Für den nächsten Tag sind wir auf Lanzarote verabredet. Wir gehen der INTI fremd, indem wir uns von der Fähre übersetzen lassen…Es wird ein Manrique-Tag, zum einen besichtigen wir die Höhlen, in die er einen Konzertsaal gebaut hat, dann die weißen Krebse und schlussendlich den Mirador, von welchem aus betrachtet La Graciosa noch winziger wirkt. Zwischendurch verdrücken wir Unmengen Fisch und Papas arrugadas. Dann heißt es erstmal Abschied nehmen, traurig ist es schon, aber vielleicht nächstes Silvester in Kuba???

Wir verbringen noch einen Tag mit Basteleien am Boot, decken uns mit kleinen Leckereien ein, um tags darauf die Leinen Richtung Teneriffa loszumachen.

Jetzt sind wir in Santa Cruz de Tenerife und wir können Schnee sehen! Allerdings auf dem Teide in 3700 Meter Höhe….