Langsam schlängelt sich die Blechlawine auf der vierspurigen Autobahn die Küste entlang. Hupen, Gestank, wir müssen auf einmal wieder deutlich lauter sprechen, um uns überhaupt zu hören. Die erste Ampel in diesem Jahr. Die Zivilisation hat uns wieder, seit ein paar Tagen sind wir in Papeete auf Tahiti, dem Epizentrum von Polynesien. Jeder Pazifiksegler kommt hier irgendwann mal vorbei. Und so wimmelt es hinter den schützenden Riffen von Tahiti nur so vor Segelbooten aus allen Teilen der Welt. An der Hauptstrasse nähern wir uns dem Traumziel der hiesigen Seglergemeinde, über das schon so viel auf den abgelegenen Tuamotus gefachsimpelt wurde, dem „Carrefour“ Supermarkt! Hier gibt es wirklich alles, was der verwöhnte europäische Gaumen die letzten Wochen vermisst hat. Wir sind zugegebenermaßen ziemlich überfordert und eigentlich eher gestresst von dem ganzen trallala… aber so ein schönes Stück französischer Käse mit einem frischen Baguette, frischer Salat, Gemüse….mjam!

Eigentlich kommen wir schon seit einigen Tagen kaum noch aus dem Schlemmen heraus, denn auf unserem vorherigen Stop Moorea gab es auch schon alles, was das Herz begehrt. Über eine Woche waren wir auf dieser unglaublich schönen und fruchtbaren Insel und werden sicher wieder dorthin zurückkehren, wenn wir unsere Aufgaben in Tahiti abgehakt haben. Ein krasser Kontrast nach den doch recht kargen und windzerzausten Atollen der Tuamotus. Blumen und dichter Regenwald wird unterbrochen von saftigen Wiesen und duftenden Nadelwäldern. Die Grundstücke voller Ananas, Bananenstauden; Avocado- und Papayabäume zwischen Hibiskus, Frangipani und den duftenden Tiaréblüten. An den Strassen prall gefüllte Mango-, Brotfrucht- und Sternfruchtbäume zum Selbstbedienen. Wir können uns gut vorstellen, dass die alten Segler nach Monaten mit fauligem Wasser, wurmigem Zwieback und Pökelfleisch das Gefühl hatten, im Paradies gelandet zu sein, als sie den Anker vor diesen Inseln warfen. Auch jetzt noch scheinen die Cook- und die Oponuhobay ein beliebter Seglertreffpunkt zu sein. Kaum hat sich unser Anker in der Bucht eingegraben, stellen wir fest, dass wir ganze sieben Boote in der Bucht kennen, eins haben wir das letzte Mal vor zwei Jahren in Kuba getroffen. Freudiges Wiedersehen wird gebührend auf verschiedenen Booten und Strandpartys zelebriert. Auch die „Abraxas“ liegt hier und INTI freut sich, nach über einem Monat endlich wieder ihren Anker neben sie zu legen.  An Bord lieber Besuch von Helena aus Deutschland mit Ersatzteilen für sie. Helena hat übrigens sehr schön in den zwei Blogartikeln „Helena in Moorea“ und „Abschied von Tahiti“ ihre Eindrücke vom Seglerleben in der Südsee beschrieben. Unsere eigentliche Ankunft war allerdings nicht so glorreich: nach einer ziemlich wilden aber dafür schnellen zweitägigen Überfahrt von den Tuamotus begrüsst uns Moorea mit Regen, grauem Himmel und heftigen Böen. Sportlich segeln wir bis zur Einfahrt in das Riff, schmeissen zum Landeanflug den Motor an – doch bewegen uns nicht von der Stelle!? Schnell manövriert uns die Capitana unter zum Glück noch gesetzten Segeln vom Riff weg, während Smutje im Motrorraum verschwindet. Doch bevor wir uns noch weiter von der  Insel entfernen und Smutje mit seinem nach der Holperfahrt doch ziemlich übermüdeten Kopp noch was kaputtrepariert, funken wir einen vorbeifahrenden Segler an, der uns kurzerhand an den Ankerplatz schleppt. Frisch ausgeschlafen findet Smutje am nächsten Tag schnell den Fehler, gerissener Gaszug, und wir haben sogar noch einen an Bord, nur eine kleine Baustelle…puhhh, keine ewige Ersatzteilsuche!

Also haben wir Zeit und mieten uns einen kleinen Roller, um diese faszinierende Insel ein wenig zu erkunden, genau genommen kann man sie in zwei Stunden Non-Stop-Fahrt umrunden. Doch wir haben Zeit und rollern erstmal, immer noch vom saftigen Grün völlig benommen, die Küstenstrasse entlang, bis wir zu einem Abzweig zu einem Aussichtspunkt gelangen, von welchem aus wir wunderbar die zwei Buchten sehen können, unterbrochen von einer steilen Bergkulisse. Unsere Tour führt uns weiter zu einem doch etwas versteckten Wasserfall, die letzte halbe Stunde müssen wir kraxeln, überall meterhoher Farn, vermooste Steine, das Zwitschern von vielen kleinen Vögeln, und das lauter werdende Tosen des Wasserfalls. Völlig verschwitzt stürzen wir uns in die eiskalte Lagune unter der Kaskade. Glücklich und erfrischt düsen wir weiter über die Insel, bestaunen die wunderbaren Farben des Aussenriffs vor Moorea und feiern zwei Tage darauf Capitanas Geburtstag. Unsere Freunde von der „Dinask„, einem schönen alten Schoner aus Zement,  kommen mit ihren zwei Kindern zum Frühstück vorbei, Smutje hat einen leckeren Cheesecake besorgt, Girlanden werden gespannt und abends zur Feier des Tages ein ganzes Kilo Shrimps aus der hiesigen Farm verdrückt. Auch die Unterwasserwelt um Moorea ist nicht ohne, auf dem Weg nach Tahiti trauten wir unseren Augen kaum! Als erstes nehmen wir einige Tauchboote wahr, doch beim näheren Hinschauen entpuppen diese sich als Walbeobachtungsboote. Ein Skipper macht uns ein Zeichen: Vier. Vier Wale tummeln sich hier gerade? Wale, besonders die Großen, sind nicht unbedingt Seglers Freunde, kam es doch schon häufiger vor, dass sie ein Boot mit einem Artgenossen verwechselten und dann mit diesem spielen oder es gar besteigen wollten. Wir riechen es schon vorher (der „Blas“, die Fontäne, die der Wal ausstösst stinkt sehr tranig) und vor uns, sehr nahe, schwingt sich die gewaltige Schwanzflosse eines Buckelwals aus dem Wasser, und- direkt daneben noch eine, dann ein grosser Kopf unter dem Wasser neben uns. Wir versuchen zu fotografieren, doch, wie immer in diesen Momenten, klappt das leider garnicht. Das Spektakel geht lange, immer wieder erheben sich die Schwanz- und Rückenflossen aus dem Wasser, ein Spray schiesst empor und alles lässt uns nur die vage die genaue Größe der Wale erahnen und das liegt so ungefähr bei mindestens 10 Metern. Wir fühlen uns auf einmal sehr klein auf unserem Bötchen.

Das Leben ist schön in den Gesellschaftsinseln! Doch denken wir immer noch fasziniert zurück an die wilden Tuamotus, auf denen das Leben so einen ganz anderen Rhythmus hat. Unser vorerst letztes Tuamotu war Toau, ein nahezu unbewohntes Atoll am westlichen Ende der Inselgruppe. Die Einfahrt in dieses Atoll strapazierte Smutjes und Capitanas Nerven aufs Äußerste. Nach einem schnellen Ritt von Fakarava stellte sich heraus, dass wir viel zu früh am Pass von Toao angekommen waren. Um uns herum schäumte und zischte es, wild brodelt das Meer und in der Einfahrt türmen sich Wellen, um daraufhin laut krachend zu brechen. Wir schauen uns verdutzt an: so krasse Einfahrten hatten wir noch nicht erlebt. Also noch ein bisschen warten und schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Zwei Stunden später schauen wir wieder in den Pass und der Hexenkessel hat sich deutlich beruhigt und schon werden wir von der Strömung mitgenommen und befinden uns in der Einfahrt. Und doch stockt uns der Atem, denn die Wellen sind zwar deutlich ruhiger geworden, dennoch stehen sie auf einmal steil und hoch irgendwo direkt hinter der INTI.  Doch irgendwann hat der Spuk ein Ende und wir werden durch den Anblick einer wunderschönen Lagune mit glasklarem Wasser und deutlich weniger patats (Korallenköpfe), durch die man sich oft im Slalom manövrieren muss, belohnt. Schnell ist ein Ankerplatz gefunden und wieder vergehen ein paar Tage Robinson-Leben mit Kokosnuss-Sammeln, Fischen, Schnorcheln, lesen, ein paar Worte mit den auf dem Motu lebenden Kopra-Bauern wechseln, Brot backen, Käse machen…Bis unsere Freunde von der „Vagabond“  kommen und wir gemeinsam einen Plan für die nächsten Tage schmieden müssen, denn es nähert sich eine Kaltfront, die sehr starken, drehenden Wind mit sich bringen soll. Wetterdaten werden verglichen, andere Boote angefunkt und ein neuer Ankerplatz, der uns hinter einem Riff vor diesem Wetter schützen soll, angesteuert. Und der entpuppt sich als eine paradiesische Lösung. Schnell ist ein wunderbarer Jackfisch gefangen, der Strand lädt zu kilometerweiten Wanderungen mit ungewöhnlichem Strandgut ein, eine kleine Lagune direkt nebenan, in welcher kleine Schwarzspitzenhaie aufgeregt zwischen unseren Füssen hindurchschwimmen, eine verlassene Siedlung, die zu abenteuerlichen Spekulationen einlädt und eine Front, die viele graue Wolken und Regen mit sich bringt, alles in allem jedoch viel harmloser als erwartet ausfällt. Der Himmel klart wieder auf, die Lagune gewinnt ihre schillernden Farben zurück und die Zeit scheint wieder belanglos zu werden und diesem kleinen Paradies. Doch uns zieht es vorerst los, wir haben einiges zu regeln und organisieren und dazu muss man in Französisch-Polynesien nach Tahiti. Als wir diesmal durch den Pass sausen ist er friedlich und wir werden von eine Gruppe kleiner Wale begrüsst, die einen Mordsspass mit INTIs Bugwelle haben. Iorana – schöne Tuamotus mit deinen so gastfreundlichen Menschen – wir werden bestimmt nochmal wiederkommen und Iorana – Gesellschaftsinseln, wir sind gespannt auf euch!

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