Sun is shining, the weather is sweet, yeah!
make you wanna move your dancing feet now
to the rescue, here I am!
want you to know, y’all
can you understand?

When the morning gather the rainbow, yeah, yeah
want you to know I’m a rainbow too now
to the rescue, here I am!
want you to know, y’all, can ya – can ya
can ya understand?

Sun is shining, weather is sweet now
make you wanna move your dancing feet, yeah
but to the rescue, here I am!
want you to know just if you can
here I stand!
No, no, no, no, no, no, no, no!
can you understand me now, baby?
do you believe me?
Sun Is Shining Bob Marley and The Wailers

Der Passatwind hat uns wieder, kontinuierlich bläst er aus Nordost bis Ost und schubst uns von Insel zu Insel wie einst die alten Segler, die ihre traurige Sklavenfracht auf die Inseln brachten und ihre Bäuche wieder mit Gewürzen, Kakao und Rum füllten. Wie eine Perlenschnur reihen sich die Inseln in der Karibik auf, wo wir uns in den Buchten und hinter Korallenriffen verstecken. Ihre Namen erzählen viel über die wechselhafte Geschichte, Pirates Bay oder Bloody Bay, englische, französische, spanische oder holländische Namen und auch hier heult der Passat bisweilen in heftigen Böen die Berge und Hügel hinunter. In den Wanten pfeift er wieder sein Lied, begleitet vom Zischen des Windgenerators, während die INTI an der Ankerkette zerrt und rumpelt und die Wellen leise an ihren Bauch trommeln. Grenada, die Grenadinen, St. Vincent, St. Lucia, Martinique und die vielen kleinen Inseln dazwischen haben viele Namen. Westindies, die kleinen Antillen, aber der Name, der am besten passt, ist Windward Islands oder die Inseln über dem Wind.

Lange haben wir nicht mehr ausführlich geschrieben, denn wir waren viel unterwegs. Nun sind wir schon auf der letzten der Windwards angekommen, Martinique, mal wieder ein kleines Stück Frankreich am anderen Ende des Ozeans. Ein Wald von Masten türmt sich vor uns auf als wir durch die Einfahrt nach Le Marin segeln. Wir haben beschlossen, in die am meisten frequentierte Bucht Martiniques einzulaufen. Martinique, unter allen Seglern DAS Paradies. Uns wurde zugetragen, dass man mit dem Dingi direkt vor einem der grösseren Supermärkte anlegen kann und vor unserem inneren Auge fliegen gebratene Tauben, Milch und Honig und alles, was das Paradies für uns bereithalten wird, vorbei. Hier gibt es alle erdenklichen Ersatzteile und all die Leckereien die die verwöhnten europäischen Gaumen so lange entbehren mussten. Doch müssen wir uns erstmal durch den Bootedschungel vorarbeiten, was garnicht so einfach ist. Diverse Charterfirmen haben hier ihre Basis, hinzu kommen etliche Fahrtensegler und ein paar traurige verlassene Wracks, mal über oder unter Wasser. Doch letztendlich finden wir ein Plätzchen, um unseren Anker zu schmeissen, nicht zu nahe an anderen Booten, doch nahe genug zum Supermarkt. Wir sind im Schlemmerparadies angekommen! Schnell füllt sich unser Wagen mit europäischen Leckereien: Baguette, saure Gurken, Leberwurst, Roquefort und natürlich Rotwein, endlich mal wieder Yoghurt und leckere Desserts. Die Capitana bringt das Schiff auf Vordermann, während Smutje in den Katakomben versinkt, die „alte Dame“ mit neuen Filtern, Dichtungen und Öl versorgt und endlich den Wassermacher fertig installiert, den wir auf den kargen Grenadinen so vermisst haben. Es ist mal wieder Arbeit angesagt und noch so einige Provisorien müssen überarbeitet werden. Chaos und Werkzeuge überall an Bord, aber die Gaumenfreuden halten uns bei der Stange.

Doch drehen wir die Uhr zurück nach Tobago, vier Staaten und zehn Inseln haben wir inzwischen besucht. Manche nur kurz, manche länger.

Nach über fünf Wochen verlassen wir das friedliche und gemütliche Eiland Tobago, in das wir uns schwer verliebt haben und welches sicher ein Highlight unserer Reise bleiben wird. Wir erreichen nach einer wunderbaren Nachtfahrt gemeinsam mit unseren französischen Freunden von der „Thelonious“ deren Geheimtipp Saline Island. Eilig hatten wir es nicht und so haben auf das perfekte Wetterfenster gewartet. Die Wellen sind gemütlich, der Sternenhimmel unglaublich und ein gemütlicher Passat schiebt uns voran. Traumhaftes Segeln wie wir es schon ewig nicht mehr hatten! Smutje ist so happy, dass er gleich zwei Nachtwachen hintereinander schiebt und die Capitana geniesst es, ins Morgengrauen zu segeln. Vor Saline Island erwartet uns unser erstes Riff, ganz schön aufregend, sich durch die Korallen zu navigieren. Doch die Sonne steht gut und das Wasser ist so klar, dass wir die Korallen gut sehen können. Begrüsst werden wir von einer Schildkröte und unsere Freunde haben nicht zuviel versprochen: uns erwartet ein herrliches Paradies. Vor der Miniinsel ankern wir in einer kleinen Bucht auf etwa drei Meter Tiefe. Da wir auf der Windseite sind pfeift es ordentlich, doch das Riff schützt uns vor den Wellen des offenen Ozeans. Wir können um das Boot herumschnorcheln, welches im glasklaren Wasser schwebt und die träge im Sand liegende Ankerkette und den tief eingegrabenen Anker genau sehen. Das Boot liegt sicher und wir erkunden erstmal die kleine Insel, ausser uns und der „Thelonious“ sind wir hier allein. Ein altes Haus steht am Strand, irgendwie gruselig und doch werfen wir einen Blick hinein. Scheinbar wird das Haus doch noch von Fischern genutzt, denn drinnen stehen Tassen auf dem Tisch und sehen nicht so aus, als würden sie seit Jahrzehnten dort verrotten. Mit einem leichten Schauer verlassen wir das Haus und pilgern weiter. Hier und da liegen leere Lambimuscheln herum (eine Delikatesse), doch nein-als wir sie aufheben merken wir, dass sie bewohnt sind! Krebse strecken uns ihre langen Augen entgegen! Am nächsten Tag fahren wir mit unseren Freunden eine Runde am Riff entlang schnorcheln. Ein Dingi ankern wir auf der einen Seite des Riffs, das andere an der anderen. So können wir uns gemütlich von der Strömung treiben lassen und die zahllosen grossen und kleinen Fische, Hummer und sogar einen Hai bestaunen.
Nach diesen beiden wunderbaren Tagen fahren wir weiter nach Carriacou, ankern in der Tyrell Bay. Das ist für uns, nach der Zeit auf Tobago und Saline Island erstmal ein richtiger Schock, waren wir es doch gewöhnt mit Langfahrtseglern in mehr oder weniger ollen Kähnen, auf jeden Fall individuellen Booten, unterwegs zu sein. Hier bietet sich ein ganz anderes Bild: die grosse Bucht ist vollgestopft mit Booten, Charteryachten, unzähligen Katamaranen, ab und zu Kreuzfahrtschiffen, untermalt von dem Gebrüll der unerfahrenen Charterer, die versuchen, ihre Anker fallen zu lassen. Egal, wir lassen uns den Spass nicht nehmen und fahren mit dem Sammeltaxi in die Hauptstadt der Insel, Hillsborough. Sie gefällt uns auf Anhieb. Auf den Strassen herrscht ein buntes Treiben und im Gegensatz zu Tobago gibt es hier auch wieder mehr Obst und Gemüse zu kaufen. Die Menschen hier sind freundlich und so haben wir an jeder Ecke nette Gespräche. Jetzt ist hier gerade die Zeit der „Parang“-Musik, das ist immer um Weihnachten herum. Eine Marktfrau erzählt uns, dass es die nächsten Abende Konzerte geben soll („C´mon put your sneakers on and dance…!“). Parang zu singen bedeutet soviel, wie die Beichte ablegen. Jeder kann davon erzählen, dass er gestohlen hat oder seine Frau betrogen. Der Parang wischt die Sünden einfach so davon. Am gleichen Abend treffen wir die Crew eines anderen deutschen Bootes, sie haben Besuch von fünf Schweizern und sind dementsprechend in Partylaune. Also schwingen wir uns des Abends fröhlich ins Sammeltaxi und düsen nach Hillsborough. Das Konzert ist uns allen zu teuer, dafür ist das Treiben auf der Strasse umso bunter. Schwungvoll werden die Hühnerkeulen auf dem Grill gewendet, aus den Boxen dröhnen die unvergleichlichen Karibikhits, es riecht nach Gras und Rum. Wir lassen uns treiben und geniessen dieses fröhliche Ambiente. Wir lieben dieses Dörfchen und fahren bald darauf wieder hin, um für uns und Freunde einzukaufen. Schon auf dem Weg dorthin fallen uns am Strassenrand Verkäufer auf, die mit riesigen Fleischlappen rumhantieren. So erfahren wir vom Busfahrer, dass samstags Fleischtag ist, da werden die Schweine geschlachtet und direkt verkauft. Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen und besorgen uns an der nächsten Ecke unser piece of pork. Zurück in Tyrell Bay will Smutje noch kurz ein paar Kleinigkeiten einkaufen, während Capitana das gute Schwein in den Kühlschrank aufs Boot bringen will. Also ab ins Dingi und raus zum Boot. Nur so einfach ist das heute nicht. Wind und Welle sind tückisch und das mag das Banana Boot nicht gerne, zumal es ihm sowieso schon nicht gefällt, wenn nur eine Person darin sitzt. Dann steigt wild der Bug aus dem Wasser und der Kapitän hat Mühe, das Ding zu navigieren. Capitana erreicht dennoch relativ trocken die INTI, macht fest, lädt aus und macht sich wieder auf den Weg, Smutje abzuholen und danach das für Freunde besorgte Obst und Gemüse abzugeben. Doch es steht nicht gut. Schon nach einigen Metern gegen die Welle gerät das Dingi außer Kontrolle, macht, was es will, lässt sich nicht mehr vernünftig steuern. Capitana gibt alles, versucht noch, sich in die Mitte zu setzen, um das Gewicht besser zu verteilen, doch da naht auch schon das Unheil: der Aussenborder neigt sich bedrohlich dem Wasser zu, lässt sich nicht mehr lenken und Capitana beobachtet in Zeitlupe, wie der Motor absäuft, und das Dingi mit Motor quasi als Anker anfängt, zu Boden zu sinken. Also, was bleibt ihr übrig, rausspringen und jemanden auf sich aufmerksam machen. Der Bootsnachbar ist da und reagiert auf die „Help me!“-Rufe. Den Bug des Dingis in der einen Hand, mit der anderen Hand wild die Gurken, Auberginen, Kürbisse und Tomaten aus dem Wasser fischend gibt Capitana sicher ein lustiges Bild ab. Der Nachbar hat zwar kein Dingi sondern ein Kanu, doch unter Zuhilfenahme eines anderen Nachbarn mit einem „echten“ Dingi schleppen sie gemeinsam das Dingi zur INTI. Capitana schwimmt derweil im badewannenwarem Wasser zur INTI, hier und da noch ein Bündel Lauchzwiebeln und ein paar Limetten einfischend. Die Sonnenbrille sitzt nach wie vor, nur der Rucksack wiegt etwas schwer. Oh, die Badeleiter ist ja garnicht draussen. Hm-mal versuchen, sich am Fender hochzuziehen. Nee, das geht nicht. Aber, wir haben doch hinter der „Aries“ noch Stufen. Puh, das geht. Gemeinsam mit dem Kanunachbarn versucht Capitana nun, das Dingi irgendwie auszuleeren. Garnicht so leicht, aber am Ende ein grosser Platsch und es ist geschafft. Puh. Jetzt muss natürlich Smutje irgendwie in Kenntnis gesetzt werden, dass der Aussenborder jetzt nicht mehr funktionstüchtig ist, aber Capitana lebt. Der Nachbar macht ein Telefongespräch mit der Betreiberin eines Cafés, vor dem Smutje warten wollte. Und es klappt tatsächlich. Nachdem sie etwa vier Männer fragen musste, ob sie Jonathan heissen, erwischt sie endlich den richtigen und nach einiger Zeit bekommt Smutje einen Lift zu unserem etwas abgelegenen Ankerplatz. Er hatte sich schon so auf einen leckeren Schweinebraten gefreut, doch nun geht der Nachmittag dafür drauf, den Aussenborder mit Süsswasser durchzuspülen und nachzuschauen, ob nichts kaputt gegangen ist. Doch nach zwei Stunden harter Arbeit tuckert der alte Motor wieder als wäre nichts gewesen. Jetzt haben wir uns aber eine gute Mahlzeit verdient und das Schwein schmeckt fantastisch!
Wir bleiben über Weihnachten hier, versacken den Abend vor Heiligabend völlig bei einem Parangkonzert am Paradise Beach, nach dem Konzert gehts weiter mit einem mächtigen Reggae-Soundsystem und wir tanzen uns die Flip-Flops durch. Gibt es auch wenig auf den Inseln, grosse Lautsprecher und Musik gibt es immer! Dementsprechend matt sind wir am nächsten Morgen, geniessen den Heiligabend gemütlich zu Zweit und treiben unseren Spiritusofen zu Höchstleistungen an. Nicht nur er schwitzt gewaltig an diesem Abend. Wir haben die Insel nach Leckereien abgesucht und so gibt es selbstgemachten Rotkohl mit einem Hühnchen aus dem Ofen, gefüllt mit Kräutern und Zitrone an einem köstlichen Kartoffel-Süsskartoffelbrei. Dazu eine gute Flasche chilenischen Wein und der Weihnachtsschmaus ist perfekt!
Da wir nach dem ganzen Zirkus in der Tyrellbay ruhebedürftig sind, ziehen wir weiter zur nahegelegenen Sandy Island. Es geht doch nichts über eine palmenbewachsene Insel mit schneeweissem Sand als Vorgarten! Herrlich. Wir schnorcheln im kristallklarem Wasser und geniessen den ersten Tag die Ruhe und Einsamkeit dieses Ortes. Doch leider wird dieses Paradies schon am nächsten Tag von sonnenhungrigen Charterbooten erobert, es werden die Kites ausgepackt und wild mit den Dingis zwischen den Booten gecruist. Wir hauen lieber ab und schlafen noch eine Nacht vor Anker vor Hillsborough, bevor es weiter nach Union Island geht. Am Morgen decken wir uns noch so gut es geht mit Proviant ein, denn wir haben gehört, dass auf den nächsten Inseln die Preise steil nach oben gehen. Frisches Gemüse und ein paar Büchsen wandern in die Tüten und Smutje ersteht auf den Fischmarkt noch Lambis und einen grossen Hummer für kleines Geld. Mit dreimal Kreuzen erreichen wir den quirligen, völlig überfüllten Clifton Harbour und müssen zum ersten Mal saftig Überstundengebühr beim Einklarieren bezahlen, wir waren einfach zu spät. Eine Praktik, die auf den Inseln hier stellenweise absurde Ausmasse annimmt. Doch wir versuchen, uns die Laune nicht verderben zu lassen, verschliessen die Augen vor dem ganzen Bootszirkus um uns herum, verkrümeln uns in die gemütliche INTI und geniessen den Hummer mit etwas Salat und Aioli. Ein Genuss! Jetzt hat Smutje Capitana endlich überzeugt, dass unbedingt eine Harpune her muss, um sich mit solchen Leckereien selbst versorgen zu können. Nach einer Nacht kehren wir dem Charterwahnsinn den Rücken, brechen nach Mayreau auf, denn wir haben eine Verabredung für Silvester. Nachdem wir ausgiebig das Wiedersehen mit unseren Freunden von der „Nepomuk“ gefeiert haben nähert sich der Silvesterabend. Wir suchen uns einen kleinen Strand aus, machen ein Feuer, grillen die Lambis aus Carriacou und essen etliche Leckereien mit unseren Freunden und einem anderen Paar, das schon seit 20 Jahren mit dem Boot unterwegs ist und natürlich einiges zu berichten hat. Stunde für Stunde denken wir an die Menschen, die gerade ins neue Jahr hineinkommen, bis es auch bei uns soweit ist. Wir sind eine Holländerin, ein Engländer, ein Italiener eine Mexikanerin, eine Deutsche und ein Deutscher mit einem Bein in Chile und wir versuchen, in all deren Zeitzonen reinzufeiern. Mal gibt es einen Kuchen mit Wunderkerzen, mal eine Flasche Sekt mal einen chilenischen Wein und als die Uhr in Mexiko 12 schlägt springt die Mexikanerin mit ihrem italienischen Freund auf und rennt den Strand hinunter. Eine Tradition aus ihrer Heimat Yucatan. Ein herrlich romantischer Abend am Strand geht zu Ende und wir feiern das Jahr 2015. Die nächsten Tage plätschern so dahin, wir laufen einmal über die Insel auf die andere Seite und plaudern ein bisschen mit den Rastas der Saline Bay. Eine wunderbare palmengesäumte Bucht, aber leider so voll mit Charterbooten, dass einfach kein Platz mehr für uns ist. Auf dem Berg der Insel steht eine kleine Kirche, wunderschön mit bunten Fenstern und, typisch karibisch, finden wir innen die vielen Pastelltöne, die das ganze so sympathisch machen. Von diesem kleinen Berg hat man einen klaren Blick auf die Tobago Cays.
Dort segeln wir auch einige Tage später hin. Ganz erschlagen sind wir von der Farbvielfalt des Wassers, es färbt sich von hellem türkisgrün über hellblau in tiefblau ein. Unser Anker fällt direkt hinter dem Aussenriff, welches uns gut vor der Dünung schützt. Am Riff brechen die Wellen, dahinter liegt der offene Ozean, offenes Meer bis Afrika! Um die INTI herum schnorcheln wir mit den Schildkröten und Rochen, die hier eine Attraktion sind. Leider wurde diese Inselgruppe und somit auch das Riff vor einigen Jahren von einem Hurrikan heimgesucht und das hat auch die Unterwasserwelt in Mitleidenschaft gezogen, was sehr schade ist. So einige Korallen wurden sicher auch von den Ankern der unzähligen Boote hier zerstört, denn hier herrscht Yacht-Massentourismus. Mal wieder sind wir umzingelt von etlichen Booten.
Also brechen am nächsten Tag auf und segeln nach Bequia, einer traditionellen, ehemaligen Walfängerinsel. Auch hier ist es voll, aber angenehm lässig. Wir sind sofort begeistert von dem Spirit, der in der Luft hängt. Die Strände und kleinen Bars laden ein, die Seele baumeln zu lassen, doch die Capitana ist fleissig! Drei Tage quält sie sich durch die ziemlich heftige Abschlussarbeit ihres „Deutsch-als-Fremdsprache“-Studiums. Smutje muss derweil unser kleines Zuhause räumen, trifft alte Bekannte wieder und macht neue Bekanntschaften mit den unterschiedlichen Gemüserastas. Capitanas glühende Gehinzellen brauchen frische Nahrung! Das Obst hier ist richtig lecker! Wir freuen uns, endlich wieder gelbe, saftige Mangos in den Händen zu halten und diese vor allem auch bezahlen zu können. Wenn es auf den kleineren Inseln überhaupt etwas gibt, sind die Preise für Frisches oft horrende. Wir haben uns vieles verkneifen müssen. Für die besser betuchten Boote, die zeitknappen Charterer und luxuriösen Megayachten bietet die Bucht von Bequia allerdings einen 1A Service. Zu Wasser gibt es alles, was sich der Segler wünscht. Boatboys auf Surfbrettern und in kleinen Booten verkaufen Brot und Gemüse, Hummer und Fisch. Dreckige Wäsche? Kein Problem! Kurz die Funke anschmeissen und ein Wäschereiboot holt Wäsche ab und bringt sie sauber und gefaltet zurück. Es gibt Flöße mit grossen Tanks, die das eigene Boot mit Diesel oder Wasser betanken und, und, und.
Bequia ist eine sehr grüne Insel mit vielen Hügeln, die wild und vollständig bewachsen sind und wenn die grossen Traditionssegler, von denen in der Karibik einige unterwegs sind, in die Bucht einlaufen fühlt man sich ein wenig in die alte Zeit der Piraten, Walfänger und Abenteurer zurückversetzt. Auch an Land gibt es Einiges zu entdecken und als wir ein bisschen herumwandern, stossen wir am Ende eines wunderbaren Strandes auf ein kleines Künstlerdorf, welches sich im üppigen Grün versteckt. Man erzählt uns, dass es in den 70er Jahren von Hippies gegründet wurde. Die phantasievoll gestalteten Häuser, Zugänge über kleine Brücken, mit Lambimuscheln dekorierte Mauern und Gärten voller Blumen erinnern uns ein wenig an „El Guro“ auf Gomera. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich. Sobald man jemanden trifft wird man mit einem Lächeln und einem freundlichen Hallo gegrüsst. Sicher ein schöner Ort um sich niederzulassen, doch uns zieht es weiter. Unser Ziel ist Martinique. Da sich unsere Vorräte in den letzten Monaten sehr reduziert haben (zum ersten Mal auf unserer Reise sind uns die Spaghetti ausgegangen!) wollen wir die Inseln dazwischen nur zum Übernachten anlaufen. Auch das Wetter hat sich beruhigt, in den letzten Tagen war die Welle sehr hoch und der Passat recht kräftig und zu nördlich, was für unsere Fahrt durch den Bequia/St. Vincent-Kanal schlecht gewesen wäre. Die Kaps und Passagen zwischen den Inseln beeinflussen Wind und Welle und es kann ziemlich ungemütlich werden. Das Spiel kennen wir schon von den Kanaren und Kapverden. So ist es dann auch, die Vorhersage ist gut aber es ist dennoch ruppig, und so quälen wir unsere INTI hart am Wind und stark gerefft in einer Hoppelfahrt durch den ersten Kanal nach St.Vincent. Im Lee der Insel gibt es durch die Abschattung der Berge wiederum kaum noch Wind, doch so können wir bei einer Fahrt mit gerade mal zwei Knoten die herrlichen Strände und Drehorte vom „Fluch der Karibik“ bestaunen. Idyllisch und wunderschön. Für die Nacht ankern wir vor einem kleinen Dorf in Chateaubelaire. Als erstes bekommen wir Besuch von einem Boatboy, der sich als Zoll ausgibt, am Ende aber eigentlich nur ein Bier haben möchte. Mit einem Paar vom Nachbarboot geniessen wir einen Sundowner auf der INTI, bevor es am nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang durch den St. Vincent/St. Lucia-Kanal geht. Wieder werden wir ordentlich durchgeschüttelt, bis wir dann vor der Küste St. Lucias unter Motor fahren müssen. Wollen wir das heute nochmal machen? Durch den St. Lucia/Martinique-Kanal?? Wir beschliessen, in der
Rodneybay auf St. Lucia zu ankern und am nächsten Tag weiterzufahren. Dies entpuppt sich als schlaue Lösung, hier liegt man, abgesehen von den unzähligen Yachten, unglaublich ruhig. Keine Wellen, eine leichte Brise, müde fallen wir in die Koje und schlafen über 10 Stunden. Am nächsten Tag hat sich das Wetter ganz beruhigt und anstelle der erwarteten Hoppelfahrt erreichen wir nach ein paar Stunden gemütlichen Segelns die Bucht von Le Marin auf Martinique. Dort werden wir schon von unseren Freunden der Thelonious erwartet, die hier auf ihrer letzten Reise zwei mal für sechs Monate gearbeitet haben, jeden Winkel der Insel kennen und uns erstmal mit wertvollen Tips versorgen. Auch hier gibt es viel zu sehen und einige schöne Buchten zum ankern, doch jetzt müssen wir erstmal die INTI pflegen und die leeren Proviantschaps füllen, bevor es weitergeht. Ein paar Buchten auf Martinique? Vielleicht noch nach Dominika oder direkt durch nach Kuba? Wir werden sehen!