Immer noch schlendert die langsame Inticrew durch die unglaublich schöne Inselwelt der Tuamotus. Wir können uns garnicht sattsehen an diesen kleinen, paradiesischen Atollen mit ihren freundlichen Menschen, allerdings haben wir etwas beschleunigt und in den letzten zwei Wochen nicht nur eine sondern ganze vier Inseln besucht. Auf den ersten Blick ähneln sich die Inseln zwar mit ihren palmengesäumten Aussenriffen, der tiefblauen Lagune und dem kleinen Dörfchen am Pass, doch ist man einmal da sind sie alle einzigartig.
So zieht es uns nach den abgelegen Atollen Raroia und Amanu auf eine der grösseren Inseln, um mal wieder etwas den Proviant zu erweitern und ins Internet zu kommen. Nach einer gemütlichen Nachtfahrt stehen wir etwas ratlos vor der wild schäumenden Einfahrt in das drittgrösste Atoll Makemo, die Tidenangaben scheinen mal wieder garnicht zu stimmen… Wir beschliessen dennoch es zu versuchen, der Pass ist breit und man kann zur Not wenden. Also Motor an, ein paar Runden zum Warmlaufen und Vollgas in den Pass. Die „Abraxas“ ist dicht hinter uns und ein drittes wartendes Boot denkt sich wohl: „Was die können kann ich schon lange.“ Jaja, der Rudeltrieb…Wir hoffen, dass wir jetzt mit unserem Übermut keine Katastrophe angezettelt haben. Und schon begrüssen uns die wild schäumenden Wellen der starken auslaufenden Strömung, wir werden ordentlich hin und her geworfen und die Geschwindigkeit geht runter auf unter einen Knoten. Neben uns macht ein Delfin seine Sprünge und scheint uns auszulachen, doch langsam aber sicher arbeiten wir uns in die Lagune. Der Spuk scheint kein Ende zu nehmen, zieht sich noch ein ganzes Stück weiter in die Lagune und wird sogar noch garniert mit starken Seitenströmungen. Es fühlt sich an als hätte einer den Stöpsel in dieser großen Atollbadewanne gezogen und wir versuchen, durch das Abflussrohr nach oben zu kommen. Doch dann können wir endlich um das letzte Riff biegen und es wird schlagartig ruhig. Das Dorf begrüsst uns mit geschäftiger Gemütlichkeit, hier ist zwar deutlich mehr los als auf den vorherigen Atollen und es gibt sogar eine grössere Strasse, aber das scheint die Gelassenheit der Bewohner kaum zu beeinflussen. Überall werden wir freundlich begrüsst und eine ältere Dame mit Fahrrad und Handtaschenhündchen auf ihrem Gepäckträger zeigt uns kurzerhand die wichtigsten Einrichtungen. So bekommen wir endlich mal wieder unsere Wäsche gewaschen, wir können frische Baguettes für den nächsten Morgen bestellen, eine Karte für etwas Internet kaufen und enden glücklich mit einem kühlen Hinano-Bier in einer Pizzeria. Was für ein Schmaus nach einem Monat Fisch-Kokosnuss-Diät. Das Internet funktioniert zumindest so gut, dass wir es schaffen, ein paar Fotos in unseren Blog zu laden und Ersatzteile für unsere ziemlich notdürftig zusammengeflickte Ankerwinsch zu bestellen. Nebenbei lernen wir noch ein Boot aus Schottland kennen, das uns anbietet, unsere Frischwassertanks mit der Produktion aus ihrem gewaltigen Wassermacher zu füllen. Dann sind wir auch schon wieder zivilisationsmüde, schlängeln unsere Ankerkette aus den Korallenköpfen und gehen ankerauf Richtung Westpass. Das Atoll Makemo ist so lang, dass man einen ganzen Tag hindurchsegeln kann um es dann auf der anderen Seite durch einen zweiten Pass zu verlassen. Zwischendurch zappelt jedoch ein ordentlicher Fisch an der Angel und wir beschliessen, an einem schönen Strand rechts ranzufahren und ihn auf einem Lagerfeuer zu brutzeln. Wir treffen auf den schönsten Strand, den wir bislang gesehen haben, echter Sand, kein piksender Korallenschutt und wunderbares, trockenes Holz fürs Feuer.
Der Westpass begrüsst uns tags drauf mit glasklarem Wasser, in dem es von Fischen nur so wimmelt. Wir werfen den Anker, denn für die nächsten zwei Tage ist Flaute angesagt und zum nächsten Atoll sind es immerhin 50 Meilen. Garnicht so einfach, denn um uns herum ragen überall die Korallenköpfe in die Höhe. Kurzerhand tüdeln wir „Abraxas“ und INTI spiegelverkehrt als Päckchen zusammen und werden nun von zwei Ankern auf der Stelle gehalten. Um uns herum kreisen die Haie und im Pass werden wir von Thunfischen, bunten Korallen und gewaltigen Groupern begrüsst. Natürlich muss auch dieser Pass geschnorchelt werden und so machen wir uns auf und bestaunen die wunderschönen kleinen und großen Fische bis Smutje Alarm gibt: „Rein ins Dingi, Zitronenhai!“ Mit denen sollte man es sich nicht verscherzen, also ab ins Dingi, was während der Schnorchelei fest um den Bauch gebunden, brav mitschwimmt. Doch nun nimmt das Schicksal seinen Lauf, wir übersehen eine Leine, die sich gleich in den Propeller wickelt und der Scherstift bricht. Jetzt heißt es irgendwie an Land kommen, es wird wie wild gepaddelt und über Korallen gezerrt, getragen und geschleppt, bis wir am Ufer eine sichere Stelle finden. Smutje muss einmal um die halbe Insel laufen, um dann zur INTI zu schwimmen, um entsprechendes Werkzeug und einen neuen Pin zu holen. Langsam senkt sich die Sonne knallrot in den Pazifischen Ozean, und glücklicherweise bekommen Smutje und Capitana das Dingi vor völliger Finsternis repariert. Jetzt aber ab nachhause, doch das ist nicht ganz leicht, die Strömung will uns nicht von der Stelle lassen. Und so kämpfen wir uns Meter für Meter weiter, immer nach rechts ausschwenken, wieder geradeaus, rechts….Irgendwann kommen wir auf unserer INTI an und bekommen nebenan bei Stefan einen wunderbaren Sundowner kredenzt und schon ist alles vergessen. Nun geht es auch schon weiter, der Wind hat wieder aufgefrischt und wir brechen arm späten Nachmittag auf nach Tahanea, einem unbewohnten Atoll, welches einen wunderschönen Pass zum Tauchen und Schnorcheln haben soll. Wir haben eine gute, sehr schnelle Überfahrt, müssen vor dem Atoll sogar noch abbremsen, um nicht in der Dunkelheit zu nah an die gefährlichen Riffe zu kommen. Mit dem ersten Licht drehen wir RIchtung Durchfahrt und flutschen problemlos in die Lagune. Da liegt auch schon unser Kumpel mit seiner „Abraxas“, wir winken fröhlich rüber, freuen uns schon auf einen frischen Kaffee, doch warum schaut Stefan denn so bedröppelt daher? Schnell ist die Geschichte erzählt, so hat er in den frühen, mondlosen Morgenstunden mal kurz das ganze Atoll verschoben, sprich er ist durch die Verkettung verschiedener Umstände aufs Riff gelaufen. Glücklicherweise war die Welle nicht so hoch und so schaffte er es, seine liebe „Abraxas“ vom Riff zu manövrieren. Und siehe da, bei der ersten, widerwilligen, Schadensbegutachtung stellt sich raus, dass der Schaden kleiner als erwartet ausgefallen ist, uhhhhh, mit einem blauen Auge davon gekommen, was für ein Alptraum, das Kratzen der Korallen am Rumpf, die brechenden Wellen, das Jaulen des Windes. Doch die Stimmung steigt schon bald wieder, wir gehen Passschnorcheln, sammeln Kokosnüsse, ernten köstliche Palmherzen und auf einmal sind auch die Wikinger da!!!! Drei bärtige große Typen auf einem Sieben-Meter-Boot, alle Mitte 20 Jahre alt und voller Seeräuber-Energie. Ein Fisch nach dem anderen wandert in ihr Dingi, Smutje trägt auch zu einem wunderbaren Fisch-Barbecue am Strand bei. Bald schon löst sich diese illustre Gesellschaft auf und wir beschliessen, vor dem verlassenen Dorf von Tahanea zu ankern, wieder müssen wir unsere Boote zusammenlegen, ist die kleine Bucht voll von Korallenköpfen und das ist bei einem Winddreher der Horror, da die Ankerkette Meter für Meter aus diesen Köpfen gewickelt werden muss. Abenteuerlustig schnappen wir uns die Macheten, um ein paar Nüsse zu erlegen. Doch kaum nähern wir uns den paar verlassenen Häusern bellt es auf einmal deutlich hinter einem der Häuser hervor und-sind die Boote, die da am Ufer liegen nicht neu und fahrbereit? Und da kommen auch schon zwei Männer hinter einem Schuppen hervor, stellen sich als Hüter dieses Nationalparks vor, nette, freundliche Typen, die hier Kopra produzieren, überall liegen die ranzigen Kokosnussstücke zum Trocknen herum. Wir fragen, welche man dafür nimmt, welche wir gerne mögen und schon ist ein langer Stock mit Haken da und es werden eine Nuss nach der anderen von der Palme geholt, aus der Hülle geschält und trinkfertig serviert, was gibt es Schöneres….? Natürlich einen Fisch zum Abendessen zu haben. Capitana und Smutje begeben sich auf Fischfang, doch es kommt, wie es kommen muss, ein schlechtes Dingimanöver und die Fischleine hängt im Propeller, doch alles gut, kaum ist sie raus, läuft das Dingi wieder und bald zappelt eine köstliche Makrele am Haken. Doch wieder mal nicht aufgepasst und wir laufen auf Koralle und schon bricht der gute Scherstift mal wieder. Mit vereinten Kräften rudern wir uns irgendwie aus den flachen Korallen heraus, da naht schon die Rettung! Unsere zwei Freunde von der Insel haben die Misere beobachtet und schleppen uns nun mit ihrem flotten Flitzer zur INTI. Ein Päckchen Wein und ein T-Shirt von Stefan lässt die Kerle strahlen. Zwei Tage später starten wir zum weiteren Inselshopping, Faite steht auf dem Programm, wir hoffen, dass wir dort etwas vom Höhepunkt des Tanzfestes mitbekommen, welches am französischen Nationalfeiertag, dem 14.Juli, stattfindet. Doch erstmal begrüsst uns die Einfahrt ins Atoll recht wild, von Weitem ist kaum auszumachen, wo es denn genau hineingeht, hoch schlagen Wellen, brechen sich laut am Ufer. Doch da: in der Mitte scheint eine kleine Schneise zu sein, und entpuppt sich auch als Durchfahrt ins Atoll. Also schnell rein da, irgendwie schon etwas unheimlich, so nah an den brechenden Wellen vorbei ins Atoll zu brettern. Ankern ist hier auch ein Hindernislauf, ein patat (Korallenkopf) nach dem anderen erhebt sich aus dem Wasser oder lauert tückisch kurz unter der Wasseroberfläche. Wir ankern suboptimal, beschliessen trotzdem, mal zu schauen, was da los ist im Dorf. Doch dort tote Hose, Feiertag halt und die Hauptfestivitäten finden ja in Tahiti statt. Immerhin bekommen wir ein paar Baguettestangen und drei warme Bier. Es wird immer ungemütlicher, und so gehen wir ankerauf und trennen uns nach zwei entspannten Monaten von unserem Kumpel Stefan, der in Tahiti Besuch von seiner Liebsten bekommt. Unser Ziel ist das zweitgrösste Atoll Fakarava, das einiges an Infrastruktur zu bieten hat, ausserdem liegen dort Freunde, die wir seit über einem Jahr nicht mehr gesehen haben. Zwei Stunden später sind wir da und feiern fröhlich unser Wiedersehen. Am nächsten Tag stoppt ein Motorboot neben INTI und wir werden gefragt, ob wir Ahnung von Elektroproblemen haben, sofort ist Smutje engagiert, sich die Verschaltung der Solaranlage des Guesthouse-Besitzers anzusehen, denn da stimmt etwas nicht. Nachmittags gehts dann zu der wunderschönen Anlage, alles liebevoll mit viel positiver Energie und Herz gestaltet. Smutje hat das Problem schnell gelöst und Manihi, der Besitzer der Anlage ist glücklich und schon wandern zwei kühle Bier in unsere Hände und zu unserem großen Glück werden wir für den nächsten Abend zum Dinner eingeladen. Was für eine Freude! In einem selbstgebauten Ofen wird köstliche Pizza gebacken, es gibt nach Monaten mal wieder frischen Salat und obendrein noch ein Stück Kuchen zum Dessert, was für liebe Menschen wir da wieder getroffen haben. Und das auch nur durch Zufall, denn Manihi hatte sich einfach gedacht, er fragt bei unterschiedlichen Booten nach und wir waren das Erste und gleich ein Treffer, wow.

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