Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Antoine de Saint-Exupery

Wir sind immernoch auf den Kanaren und geniessen den Dauerfrühling. Doch Urlaub? Von wegen. Wir bereiten uns auf die grossen Schläge vor und es gibt noch so einige zuvor erfolgreich ignorierte Arbeiten zu erledigen. Ungefähr eine Woche auf See liegt vor uns, bis wir unseren Anker vor den Kapverden werfen können. Dann nochmal zwei bis drei Wochen über den Ozean nach Brasilien. Wir freuen uns darauf, denn wir haben gemerkt dass wir lieber lange Strecken segeln. Wird man anfangs noch häufig von Übermüdung und auch Übelkeit gequält, macht es nach 2-3 Tagen einfach „klick“ und man ist angekommen in seiner kleinen Kapsel in der blauen Endlosigkeit. Dann wird es schön, der Körper hat aufgehört gegen den Rhythmus der Wellen zu kämpfen, die Zeit spielt keine Rolle mehr und plätschert bedeutungslos dahin, der ungewohnten Schlaf/Wach-Wechsel ist zur Gewohnheit geworden und wir beginnen loszulassen und zu geniessen. Das Farbenspiel des Himmels, die unglaubliche Sternenshow, die Besuche von Delfinen, Walen und Schildkröten, das nächtliche Meeresleuchten oder einfach nur ein gutes Buch. Damit uns aber der verdammte Kaputtgehkobold, mit seinem Klapper- und Schepperamigo nicht die Show vermiest und wir unserer INTI noch mehr vertrauen können als wir es eh schon tun, arbeiten wir, überprüfen alles und optimieren Provisorien, die uns bis hier so einige Nerven gekostet haben. Dieser Beitrag ist daher ausnahmsweise mal etwas technischer. Wen das nicht interessiert, der überspringe einfach den nächsten Absatz.

Santa Cruz de Tenerife bot mit ein paar recht gut ausgestatteten Hardware Läden zum Basteln eine gute Gelegenheit. Mit den zwei extrem netten spanischen Profiriggern von Nordest, brachten wir die Wanten und Stagen auf den richtigen Zug, versahen die etwas zu langen Bolzen mit Unterlegscheiben und erneuerten die Splinte. Nebenbei  machten wir noch einen kleinen Sprachkurs mit den Beiden. Wir lernten die Fachbegriffe auf Spanisch und sie auf Deutsch und nach ein paar netten weiteren Gesprächen fiel auch die Rechnung, ohne dass wir darüber geredet hätten, deutlich günstiger als erwartet aus. Die Capitana zerlegte, putzte und fettete derweil die Wischen, die jetzt wieder fröhlich und leicht vor sich hin klickern. Smutje pflegte mal wieder seine geliebte alte Dame, den Motor. Stellte die Ventile ein und tauschte das Öl, erneuerte alle Dieselfilter und den Ölfilter, reinigte das Kühlsystem, tauschte die Impeller und versah den Motorraum endlich mit der lang ersehnten fest installierten Lampe. Dazu bastelte er in der Motorbilge aus einem Schwimmschalter und ein paar Elektronikteilen noch einen Alarm, der jetzt hoffentlich alle aus den Kojen pfeift sobald von irgendwoher Wasser ins Schiff läuft. In San Miguel bekamen wir endlich unsere wunderschöne neue Genua 1 von LeeSails. Die ziemlich morsche alte Genua hatte schon eine Bö vor Holland unwiderruflich in mehrere Einzelteile zerlegt, so dass wir die ganze Strecke bis runter zu den Kanaren mit der kleineren und ungefähr genau so morschen und ausgeleierten Genua 2 zurücklegen mussten. Ging auch, aber siehe da, als hätte sie es gewusst, in der Winddüse kurz vor San Miguel wurde es auch ihr zuviel und uns flog ihr Unterliek um die Ohren. Wir liessen sie gleich bei Thomas Studer, dem netten Segelmacher von San Miguel, der sie nun repariert und verstärkt, so dass wir sie weiter als Ersatz und Passatsegel nutzen können. Smutje ersteht dazu noch ein paar Profiklebestreifen, um das Grosssegel endlich vom Schuppern an den Wanten auf Vorwindkursen zu schützen. Mittlerweile auf La Gomera kleben wir sie dann gemeinsam auf, ziehen gleich noch ein neues Fall in den Mast ein, schmieren alle Rollen im Mast, versehen die Dirk mit einem neuen Gummistrop und überarbeiten und installieren die Bäume zum Ausbaumen der Vorsegel. Nebenbei bekommen alle Holzteile eine neue Schicht Lack und das aufgeplatzte Funier der Backskiste wird saniert. Viel Aufmerksamkeit widmen wir auch unserer automatischen Crew. Der kleine Elektromotor des Autopiloten hat sich verabschiedet und wir warten fieberhaft auf einen neuen aus Deutschland. Das Modell gibt es nicht mehr und so müssen wir etwas mit verschiedenen Motoren aus dem Elektronikshop rumexperimentieren. Endlich angekommen, bekommen wir den alten Autohelm nach viel Ein-, Ausbauen, Geschmiere und Gekratze repariert.  Die Aries bekommt auch neue Leinen, zwei neue Blöcke für die Leinenführung und die Befestigung an der Pinne wird weiter nach vorne versetzt. Smutje arbeitet noch an einem Plan, wie er den Autopiloten mit der Aries kombinieren kann, ein Tipp von Windfahnenguru Peter Förthmann, das spart enorm Strom und schont die Elektronik. Der Autopilot gibt nur den Impuls und die Kraft für die Pinnenbewegung wird von der Aries erzeugt. Eine Windbö versenkt währenddessen unbemerkt die Pinne, die gerade frisch lackiert am Steg trocknet. Panik bricht aus! Geklaut? Kann die eigentlich schwimmen und ist abgetrieben? Mit dem Tauchequipment der ATIKA findet Smutje sie aber friedlich schlummernd auf dem Grund des Hafenbeckens und kann sie wieder nach oben befördern. Die Tauchflasche ist noch voll, also wird gleich noch das Unterwasserschiff geschrubbt. Natürlich wird auch wieder ordentlich Rost geklopft und die Capitana absolviert erfolgreich ihre ersten Brotbackexperimente. Jetzt wartet frisches Brot mitten auf dem Atlantik auf uns, lecker!

Wir haben aber nicht nur gebuckelt. Auf Teneriffa kamen Smutjes alte Kumpels Jan und Hajo eingeflogen, mit denen wir zusammen weiter nach Gomera segelten. Wir verbrachten eine schöne Zeit, düsten über Teneriffa und Gomera mit dem Mietwagen, bezwangen die teilweise ziemlich heftigen, Winddüsen zwischen den Inseln und köpften so einige Buddeln. Leider hinderte uns ein Sturm daran, wie geplant, noch ins Valle Gran Rey zu segeln. Doch da packte die beiden der Basteltrieb und Bootsbauer Hajo sanierte mit Schleifpapier, Epoxi und endlosen Schraubzwingen den morschen Backskistendeckel, während Jan an der Selbststeuranlage schraubte. Vielen Dank dafür! Auch trafen wir unsere lieben Freunde von der ATIKA im Hafen und verbrachten viele schöne Stunden zusammen. Capitana liess sich in San Sebastian endlich ihren längst fälligen Zahn von einer hübschen jungen spanischen Zahnärztin reparieren. Kurz vor knapp traf dann auch unsere reparierte Genua 2 in San Sebastian ein. Der Segelmacher hatte sie einem französischem Boot mitgegeben und ersparte uns somit die Abholung von Teneriffa. Mit Yann und Valerie freunden wir uns sofort an. Die beiden sind ausnahmsweise mal mit einer grösseren Baustelle als wir unterwegs. Sie haben ihre 9 Meter lange (Beneteau First-) KISS völlig zerrupft und mit einem Riesenloch im Rumpf für ein paar Euro gekauft, dann in über einem Jahr Eigenarbeit das Nötigste geflickt und erneuert um im November, bevor es zu ungemütlich in Frankreich wird, zu starten. Da funktionierte noch kein Herd, Licht und Funk. Das Klo funktioniert immernoch nicht, da es zugestellt ist mit den Einzelteilen des noch zu bauenden Kühlschranks und an vielen Ecken im Boot starrt einen das blanke GFK an. Doch die Beiden haben es sich schon sehr gemütlich gemacht, haben den Absprung zu ihren einjährigen Flitterwochen geschafft und haben ein begeistertes Leuchten in den Augen, wenn sie von bestandenen und bevorstehenden Abenteuern erzählen! Sie sind los, auch mit kleinem Geld, rund um den Atlantik. In ein paar Tagen starten sie ihren Törn über den Altantik, wir sind in Gedanken bei Ihnen!

Jetzt heisst es noch den zweiten Wassertank anschliessen, ein bisschen Bunkern und Proviantieren und dann kann es eigentlich losgehen. Auf zu den Kapverden!