Nach einer aufregenden, anstrengenden Zeit voller Packerei, Plackerei, erster Abschiede und einer abschließenden rauschenden Abschiedsparty sind wir endlich gestartet!

Der erste Abschnitt unserer Fahrt ging direkt durch Berlin-City, durch Treptow, Kreuzberg und das Regierungsviertel. An Bord Freunde von uns mit ihren beiden Kindern, da wir dem Sohn  Anton veranschaulichen  mussten, dass Jonathan mit einem Boot auf Reisen geht, und was ist besser, als dieses miterlebt zu haben und sich winkenderweise verabschieden zu können?

Gemeinsam mit Skipper Jan und seiner „Berta“ sind wir übers Hebewerk Finowfurt nach Stettin geknattert, die Mückenstiche überdecken jetzt die blauen Flecken. In Stettin wurde der Mast erstmal an Land gekrant, um die neuen Wanten und Stagen anzubringen und ihn ein bißchen aufzupolieren. Da war mal schnell ein halber Tag ins Land gegangen, die andere Hälfte wurde der Mast gestellt, alles unter den mißtrauischen Blicken des muskelbepackten, sehr gebräunten Marinabesitzers, dem das Treiben dieser deutschen Hippies wohl suspekt war. Capitano Jona hing die halbe Zeit auf Höhe der Salinge im Mast, da die Länge der vorderen und hinteren Unterwanten unterschiedlich war, und Capitano sie von oben aus austauschen musste. So wurden Säckchen mit Werkzeug hoch- und runtergelassen und Capitano bastelte mit der ihm eigenen Engelsgeduld alles wieder in Ordnung.

So ging auch der nächste halbe Tag ins Land, die Segel wurden aufgezogen und nach einer zünftigen Mahlzeit setzte sich der Konvoi in Bewegung. Wir setzten die Fock und schossen mit fast 7 Knoten aus Stettin hinaus. Siehe da-das Segeln auf diesem Boot macht einfach nur Spaß!!!! Doch der hielt nicht lange an, denn schon nach 20 Minuten gabs leckeren Schotensalat an Deckgerümpel, denn vor lauter Vorfreude hatten wir nicht so wirklich aufgeräumt. So schmissen wir unseren Freund, den Diesel, an und knatterten im strömenden Regen hinter der fröhlich kreuzenden „Berta“ her. Nach einer Stunde erreichten wir unser Ziel- eine idyllisch gelegene Ankerbucht, vor uns eine wunderschöne Waldlandschaft, hinter uns die Kräne von Stettin im leichten Nieselregendunst, Industrieromatik. Die elektrische Ankerwinsch machte das Ankern zu einem Erlebnis der besonderen Art. Nachdem Jan sich zu uns geankert hatte, wollte er sportlichen Schrittes unser Boot betreten, doch da tat sich leider eine Lücke zwischen beiden Booten auf und mit einem Plumps sahen wir ihn im Wasser landen. Der nächste Sound war dann ein ganz andrer, eher so ein PPPPPFFFFFFFF, als sich seine Schwimmweste zu voller Größe aufblies.

Auch wir blieben nicht ohne Pannen, denn die enttüdelten Fockleinen verhedderten sich am nächsten Tag wieder und verbogen unseren Schrubber mit Alustock zu atemberaubenden Formationen. Aber dieser Tag zeigte uns auch, dass das Segeln auf „Inti“ mit ordentlich Wind erst richtig Spaß macht. Wir legten in Stepnica in Polen an und pilgerten ins Dörfchen, um uns mit Lebensmitteln einzudecken. Das gestaltete sich allerdings recht schwierig, da die Tante-Emma-Läden doch sehr schmal bestückt waren. Also, auf zum Hafenfest, wo der polnische Bär steppte. Dort gabs da nur Essen, das mit irgendwelchen Marken bezahlt werden musste und mangels Polnischkenntnissen suchten wir das Restaurant nebenan auf, Wartezeit Essen: 40 Minuten, die wir uns mit Quatschmachen und Bierchentrinken vertrieben. Später schlief die Capitana dann auf dem Rasenstreifen vor dem Boot, auf der Flaniermeile zum Bootebeschauen, ihren kleinen Rausch aus.

Unser nächstes Ziel: Ückermünde. Wind und Welle (der Yachtwetterbericht schrieb was von 30cm Wellen, was leicht untertrieben war….) spielten mit uns und wir kreuzten stundenlang im hackigen Wellenwasser, bis wir abends unser Ziel erreichten. Völlig erschöpft sanken wir nach nem ordentlichen Whiskey in unserer gemütliche  Koje in den wohlverdienten Tiefschlaf. Die nächsten Tage widmeten wir uns der Bastelei, das GPS wurde angebracht, Funk…..

Weiter gings dann nach Ziemitz, wo wir uns zunächst von „Berta“ verabschieden mussten. Und neuen Besuch an Bord bekamen, denn Theo war mit seinem Sohn radeln an der Ostsee und bereit, den rollenden durch einen schwimmenden Untersatz auszutauschen. So wurde am Tag darauf erstmal Jan in Wolgast zum Zug gebracht und schon gings weiter. Die Unterhaltung stimmte und wir kamen keine Minute ins Grübeln über Abschiede, das, was kommt, oder ob das, was wir vorhaben nicht irgendwie alles eine absolute Schnapsidee ist. Luca sorgte für Stimmung und wurde dementsprechend vom Capitano mit Beförderungen belohnt. In Stralsund wurde auch dieser Teil der Crew verabschiedet und weiter gings dann nach Dänemarkt, wo wir schönsten Segelwind von hinten hatten, den wir schmetterlingssegelnd optimal nutzen konnten. Von Gedser gings über Heiligenhafen nach Kiel. Dort trafen wir zufällig in der Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal Nico und Birte, die uns vor einem halben Jahr ihre Windsteueranlage schweren Herzens verkauft haben. Neben den großen Pötten knatterten wir nun durch den Kanal. Langweilig und stickig und mückig. Nur die automatische Schiffsbegrüßungsanlage auf halbem Weg, die uns dröhnend die Nationalhymne entgegenschmetterte riss uns etwas aus der Monotonie. Da wir es nicht rechtzeitig zur Schleusenöffnung schafften, legten wir in Brunsbüttel, direkt neben der Schleuse für die Berufsschiffahrt im Päckchen an. Später kamen auch Nico und Birte dazu und wir vergnügten uns gemeinsam auf dem direkt vor der Marina stattfindenden Hafenfest.

Am nächsten Morgen passierten wir die Schleuse und vor uns tat sich die Weite der Elbe im Morgendunst auf. Mittags erreichten wir Cuxhaven und ruhten uns von der Knatterei aus. Am nächsten Morgen brachen wir dann nach Bremerhaven auf und waren erstmal perplex, wie die Strömung wirken kann, denn wir flogen mit teilweise 8, 9 Knoten über die Nordsee. Als wir dadurch dann auch relativ flott in Bremerhaven angekommen waren, erwachte unser Ehrgeiz und kaum ein Wimpernschlag später stand der Plan, weiter nach Bremen zu fahren und unsere Familien zu überraschen. Und flugs gute sechs Stunden später wurden wir im Abendrot von unseren Familien mit viel Hallo und lieben Umarmungen begrüßt!

Und weiter wurde gebastelt (danke Uli, danke Nick!), gepinselt, konstruiert und die norddeutsche Gemütlichkeit genossen.

Eine wunderschöne Hochzeitsfeier mit der Trauung von Capitanas Vater mit Musik von Capitanos Vater und Essen mit Herz und Liebe von dem Rest der Familie rundete unsere Bremenzeit ab,  am Ende flossen dann doch eine Menge Tränen, denn nun war klar, dass wir nach dieser schönen Feier viele unserer allerliebsten Freunde und Familie doch eine Zeit nicht wiedersehen werden.

Wir danken all unseren Lieben, dass Ihr uns soviel positive Energie schenkt und dass ihr uns so empathisch und tatkräftig bei unserem Vorhaben unterstützt! Eure Herzen werden uns begleiten und all eure guten Wünsche! Wir werden Euch vermissen!