Die Zivilisation hat uns wieder. Nach zwei Wochen fast völliger Einsamkeit und Ruhe sind wir im quirligen Trinidad gelandet.

Von Santiago aus segeln wir die Nacht durch bis Cabo Cruz, wo wir direkt am Kap ankern, geschützt durch ein wunderschönes Riff. Doch kaum ist der Anker gefallen, Smutje mit Brille und Flossen ins glasklare Wasser gesprungen, um den Sitz des Ankers zu überprüfen, kommt schon ein kleines Holzboot angerudert mit drei Offiziellen an Bord. Sie kommen an Bord und schauen sich unsere Papiere an, es sind sehr freundliche, nette Herren. Wieder wird ein Drogenhund, mit Namen Lazlo, in unser Boot geworfen, der aber nur am hecheln und schwitzen ist, so dass er sogleich wieder hinausbefördert wird. Auch die Beamten schwitzen, lassen sich aber mit einem deutschen Bier runterkühlen, wir dürfen dafür kubanische Zigaretten probieren. Ein Stempel auf unser Despacho (eine Genehmigung, 20 Häfen anzusteuern) und ein nettes Gespräch und schon sind sie davon gerudert. Am nächsten Morgen machen wir unser Dingi klar, um im Riff zu schnorcheln. Es ist wunderschön, unglaubliche Farben und bunte Fische. Smutjes erster Geburtstag in fast völliger Einsamkeit naht, der obligatorische Kuchen wird gebacken und vom einzigen Boot neben uns, Holländern, gibt es ein kleines Geschenk, die typischen Holzbotten aus Porzellan. Ein kleiner Landgang noch, denn Cabo Cruz hat ausser einem gigantischen Leuchtturm wenig zu bieten, und weiter geht es im Morgengrauen zur Isla Grenada, unserem ersten Stop in den „Jardines de la Reina“, einem gewaltigen Archipel vor der Südküste Kubas, voller Korallengärten und unbewohnter Inseln.

Auf dem Weg versuchen wir unser Glück mit der Schleppangel und kaum ist der Köder im Wasser beisst es auch schon! Doch gehen uns leider immer wieder nur Barrakudas an den Haken. Die riechen eigenartig und essen wollen wir sie schon garnicht, ist es doch der Fisch, der am ciguateragefährdetsten ist. Ciguatera ist ein Gift, das sich in Riffischen anreichert und üble Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Der Barrakuda ist am Ende dieser Nahrungskette und um so mehr vergiftetete Fische er gefressen hat um so giftiger wird er. Nach dem wir den vierten Barrakuda wieder reingeworfen haben, holen wir die Angel rein und geben es auf. Doch wir haben Glück, denn kaum haben wir unseren Anker geworfen, nähert sich uns ein Fischerboot, sie geben uns gegen zwei Bier zwei Fische. Doch ist der Abend zwar nun gerettet, wären da nicht die Millionen von Mücken, die von der kleinen Mangroveninsel aus Witterung aufgenommen haben und uns bis auf den letzten Tropfen aussaugen wollen. Dazu gewittert es mächtig und völlig übermüdet ziehen wir am nächsten Morgen den Anker und machen uns auf zum nächsten Stop, dem Cayo Chocolate. Eine offene Bucht mit braunem Wasser, das der Insel den Namen gibt. Alles recht unspektakulär, also wird es wieder nur ein Zwischenstop. Nachts zu segeln ist in diesem Revier aufgrund etlicher Untiefen und Riffe recht gefährlich, zudem hat der Wind einen ganz eigenen Rhythmus hier. Meist bläst er morgens, bis er um die Mittagszeit abflaut, um nachmittags wieder aufzufrischen und dann nachts komplett einzuschlafen. So geht es tagein, tagaus. Also schlängeln wir uns am nächsten Morgen mit einer frischen Brise im Rücken durch die schmalen Riffdurchfahrten und hinaus ans Außenriff, hier müssen wir besonders aufpassen, denn eine Untiefe folgt der nächsten. Gen Mittag erreichen wir ein schwimmendes Hotel, welches mitten in den Mangroven liegt. Hier ist aber nichts los, ausser, dass wir Mokitoschwärme befürchten, so ankern wir vor einem kleinen Strand um die Ecke. Gen Abend ist es mit der Einsamkeit vorbei und es sausen auf einmal Schnellboote mit Männern in merkwürdigen Anzügen um uns herum. Astronauten? AKW Arbeiter? Was ist das? Wir erwarten, dass gleich eine monströse Unterwasserstation irgendeines James Bond Bösewichts neben uns auftaucht. Bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass es Touristen sind, die wahrscheinlich in dem merkwürdigem schwimmendem Hotel übernachten, in den weissen Overalls vor der Sonne geschützt und vermutlich zum Fischen und Fotografieren durch die Mangroven geschossen werden. Dann ist der Spuk auch schon vorbei und wir tauchen ab und sammeln unser Abendessen vom Meeresgrund. Hier ist alles übersät mit Lambis, einer Muschelart mit einem gewaltigem Gehäuse und äusserst leckerem Fleisch. Auf den kleinen Antillen musste man so einiges dafür hinblättern und eigentlich sollte man sie dort auch nicht essen, da sie ziemlich überfischt sind. Doch hier kriechen sie zu Hunderten über den Meeresgrund. Wir sammeln ein paar ein und Smutje ackert hart, um diese Biester aus ihrem schützenden Panzer zu befreien. Aber es lohnt sich, Lambis sind eine Delikatesse!

Am nächsten Morgen tasten wir uns zweimal umsonst durch das schützenden Außenriff, um dahinter vor einem der weissen Strände der einsamen Cayos den Anker zu schmeissen. Es heisst gut aufpassen, doch mit der Sonne im Rücken können wir alle Untiefen und Korallenköpfe im glasklaren Wasser gut ausmachen. Auch die Beschreibungen im Handbuch und die Karten sind erstaunlich genau. Leider ist der Grund auch hinterm Riff noch hart wie Beton und der Anker hält trotz mehrerer Versuche überhaupt nicht, also müssen wir weiter. Beim nächsten Mal haben wir Glück und nachdem wir uns durch unser drittes Riff getastet haben fällt der Anker im weichen Sand mit Turtlegrass und gräbt sich tief und fest ein. Wir liegen vor dem Cayo Alcatracito, welches sich als ein echtes Paradies und unsere Lieblingsinsel der „Jardines de la Reina“ herausstellt. Ein langes Riff direkt vor der Haustür, Lobster ohne Ende, bunte Fische, kleine Fische, grosse Fische, Rochen und über allem wacht Barack O´Cuba. Barrakudas sind hier bei den Riffen natürlich allgegenwärtig. Langsam schleichen sie neben einem her, warten darauf, dass man ihnen was jagt, wohnen unter dem Boot und futtern die Essensreste, die wir im Meer entsorgen. Argwöhnisch betrachten wir uns gegenseitig, Barrakudas bleiben gerne mal so einfach im Wasser stehen und glotzen einen an. Wir begutachten vor allem das große Maul mit den spitzen Zähnen, dieser Fisch hat doch ziemliche Ähnlichkeit mit den nervigen Kampfhunden aus Berlin. Doch er scheint genauso wenig Interesse an unserem wie wir an seinem Fleisch zu haben und so versuchen wir einfach, uns zu ignorieren. Robinsonleben ist angesagt! Wir verbringen ruhige Tage mit schnorcheln, harpunieren, lesen und schlafen, an diesem vergessenen und doch so unglaublich schönen Fleckchen Erde. Außer uns dümpelt nur noch ein weiteres Boot hinter dem Riff, ein kanadisches Pärchen, welches wir schon aus Santiago kennen. Das Riff vor unserer Nase ist einfach unglaublich. Ziemlich intakt, bunt und voller Leben. So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Kanadier vom Nachbarboot zieht eines Tages einen dermassen grossen Lobster aus dem Wasser, dass wir es nicht einmal zu viert schaffen, ihn zu verspeisen.

Doch nach ein paar Tagen müssen wir weiter, denn unser Visum muss verlängert werden. Nach einer letzten Schnorchelrunde segeln wir mit der Nachmittagsbrise los, machen einen Übernachtungsstop an der Mangroveninsel Cayo Breton, um am nächsten Tag zu unserem vorerst letzten Cayo, dem Cayo Macho de la Fuera aufzubrechen. Vor einer Insel mit einem Sandstrand und ein paar künstlich angelegten Palmen ankern wir und betreten nach fast zwei Wochen wieder Land. Aber was erwartet uns auf dieser kleinen Insel, die lediglich eine Art kleines Restaurant beherbergt? Erst einmal werden wir von unzähligen, ziemlich grossen Leguanen begrüsst, die hier bräsig in der Sonne liegen. Wir sind im Radius der Ausflugsboote von Trinidad angekommen und ab und zu kommen Katamarane mit Touristen vorbei, die voller klickernder Kameras diese Biester füttern. Nach einem Rundgang über die Insel beschliessen wir, das öde Eiland zu verlassen und uns lieber das Riff genauer anzusehen. Wir parken das Dingi vor dem äußerstem Zipfel des Riffs und los gehts. Die äußere Seite des Riffs übertrifft noch einmal alles, was wir bisher gesehen haben. Ein gigantischer Unterwasserkorallengarten erwartet uns. Eine unglaubliche Fülle an Farben, unterschiedlicher Korallenformationen, bunter Fische, einfach nur schön!

Doch wir müssen weiter und so schlängeln wir uns wieder durch die Riffe, bis wir in einen gut betonnten Kanal einlaufen, der uns nach Casilda, den Hafen von Trinidad, führt. Doch was ist das? Nachdem wir etliche Riffe und kniffelige Untiefen gemeistert haben halten wir auf die Tonne der Marinaeinfahrt zu und stecken auf einmal fest! Doch kein Problem, ein Ausflugsboot zieht uns aus dem weichen Schlamm und in die gut geschützte Bucht. Der Anker fällt vor der Marina neben dem einzigem anderen Fahrtensegler und wir erwarten die üblichen Offiziellen. Doch hier scheint sich keiner so richtig für uns zu interessieren, alles ist extrem entspannt. Am nächsten Morgen drückt uns dann doch ein junger Grenzer seinen Stempel ins Despacho und das war´s. Also ab an Land und auf nach Trinidad. Uns erwartet eine echte Perle kolonialer Architektur und es gibt viel zu entdecken. Wir sind gespannt!