Wir schaukeln wieder, türkisblaues Wasser umgibt uns und wir sind happy, einfach nur happy! Wir freuen uns nicht nur, dem Arbeitswahnsinn von Chaguaramas entkommen zu sein. Sondern wir sind auch froh, nach all den modderigen Amazonasflüssen und der verdreckten Ölbrühe von Trinidad endlich wieder wunderbares Wasser zum Baden um uns zu haben. Seit zwei Tagen sind wir auf Tobago und hier ticken die Uhren langsam, ganz langsam. Die Tobagos haben sogar eine eigene Vokabel dafür, „liming“,  was soviel bedeutet wie süsses Nichtstun.  Die entspannte Atmosphäre tut gut, nach all dem Stress der letzen Wochen. Wir limen auf hohem Niveau, heilen unsere Kratzer und Wunden, popeln die letzten Reste Lack, Sika und Antifouling von unserer Haut und genehmigen uns hier und da ein Bierchen mit den auffällig vielen deutschen Booten hier.

Auch von der Fahrt nach Tobago erholen wir uns, sie war nochmal ein ordentlicher Ritt. Wir hatten es nicht anders erwartet, auf direktem Kurs sind es zwar nur etwa 60 Meilen nach Tobago, aber es geht gegen den Passat, die vorherrschende Wellenrichtug und bis zu drei Knoten Strömung. Wir beschlossen, das Ganze so gemütlich wie möglich anzugehen. Nah an der Küste ist die Strömung nicht so stark und so motorten wir in zwei Tagesetappen bis zur letzten Ankerbucht an Trinidads Nordküste, um dann hart am Wind über die Galleonspassage nach Tobago zu segeln. Die Planung ging auf und wir hatten super Wind, teilweise sogar schräg von hinten, aaaaaber als wolle Trinidad uns nicht loslassen, schüttet es wie aus Kübeln, heftigster Tropenregen und zwar durchgehend den ganzen Tag! Das hatten wir in über zweieinhalb Monaten auf Trinidad noch nicht einen Tag. Da die letzte Ankerbucht extrem rollig war fuhren wir trotzdem los und so kramte Smutje grimmig sein gut verstautes Ölzeug raus und kämpfte die INTI durch den Regen und die üble Kreuzsee der Galleonspassage. Er weichte komplett auf, freute sich aber dennoch, endlich, endlich wieder segeln zu können und brüllte dem Sauwetter trotzig einen Jauchzer nach dem anderen entgegen. Die Capitana streckte drauf hin mal kurz verwundert dem Kopf aus dem Niedergang, beschloss dann aber sich lieber wieder zu verkriechen und sich um ihren noch nicht so richtig eingeschaukelten Magen zu kümmern. Nach 6 Stunden hingen wir an einer der kostenlosen Moorings in der Storebay und die Strapazen waren wie gewohnt verflogen.

Doch noch ein paar Zeilen zu den letzten zweieinhalb Monaten. Einen Monat davon waren wir in Deutschland, um Familie und Freunde zu besuchen, was eine total schöne und intensive Zeit war. Die restlichen Wochen haben wir rangeklotzt wie die Irren. Die Schleifstaubhölle von Chaguaramas hatte uns fest im Griff. An Rumpf und Unterwasserschiff blühte der Rost, hinter der Scheuerleiste ebenfalls, was der INTI ein interessantes Tigermuster bescherte, ein Wassermacher wollte eingebaut werden, die Befestigung der Sprayhood war einfach abgerostet und, und, und. Also schwang Smutje die Flex wie ein Berserker. Er schwang die Schruppscheibe so unermüdlich, dass unsere gute alter Flex eines Tages einfach in Flammen aufging und sich endgültig verabschiedete. Zum Glück hielt Smutje das Teil nicht gerade über Kopf, als aus allen Öffnungen die Flammen schossen! Nicht auszudenken, was da hätte passieren können?! Und was nun ohne Stahlbootsbesitzers wichtigstes Werkzeug in einem Land in dem es nur Werkzeuge mit 110 Volt Anschluss gibt? Ein kurzer Moment der Verzweiflung kommt auf, doch die Crew von der neuseeländischen „Rhombus“ leihen uns netterweise ihre und weiter ging´s! Unermüdlich bearbeitete Smutje daraufhin den Rumpf und das Unterwasserschiff und robbte zu guter Letzt schon völlig im Wahn sogar noch über den steinigen Boden, um diesmal auch den Sockel unseres extrem breiten Kiels zu bearbeiten. Er schrubbte den Rost runter, killte noch die verstecktesten Rostfitzel mit Phosphorsäure, pinselte mit Epoxiprimer, spachtelte mit Epoxi, schliff und lackierte, bis die INTI wieder freudig glänzte. Das Ganze bei unglaublicher Hitze und Luftfeuchtigkeit. Wir schwitzten wie die Irren und stellten machmal verwundert am Abend fest, dass wir zwar jeder 4-5 Liter Wasser über den Tag getrunken hatten aber den ganzen Tag nicht einmal pinkeln waren. Die Capitana bearbeitet derweil noch tapfer den nächsten Level ihres „Deutsch als Fremdsprache“ Studiums und gibt pünktlich zum Antifoulingstreichen ihre Arbeit ab. Danach pinselten wir gemeinsam soviel der Tag hergibt, denn wir wollen ins Wasser, so schnell wie möglich.  Schnell weg aus dieser Hölle aus Staub, kreischenden Werkzeugen, Lackdämpfen, Hitze und Mücken. Der heimische Segler mag vielleicht freudig an die Momente in der Werft denken bevor er sein Boot endlich zur nächsten Saison ins Wasser lassen kann, aber wenn man mitten drin auf dem aufgebockten Boot, zwischen all dem Werkzeugen, Lackdosen und angefangenen Baustellen auch lebt, wird das Ganze eine logistische und ziemlich anstrengende Herausforderung. Besonders lustig wird es, wenn auf einmal einer der regelmässigen Tropenschauer runterkommt und man all seine Sachen so schnell wie möglich in Sicherheit bringen muss.  Zu guter Letzt brach auch noch die Chikungunya Krankheit in der Bucht aus und legte den einen oder anderen Segler lahm. Eine extrem unschöne, dem Denguefieber ähnliche Tropenkrankheit, bei der alle Gelenke auf einmal unglaublich anfangen zu schmerzen, nicht schön!

Naja, klingt alles heftig aber eigentlich war es keine richtige Hölle, vielleicht eine kleine Vorhölle, es gehört zum Bootsleben einfach dazu und eigentlich bastelt Smutje ja auch ganz gerne an unserem geliebten Schiff herum. Wir machten einfach das Beste draus und hatten auch in Trinidad unseren Spass. Das Gute daran ist ja, dass man nicht alleine ist! In Trinidad treffen sich die meisten Segler, um ihr Schiff vor den Hurrikans zu verstecken und für die nächste Etappe wieder flott zu machen. Man tauscht sich aus, lernt neue Leute kennen, trifft alte wieder und alle paar Tage wird der grosse Grill angeworfen und gemeinsam werden die Strapazen des Tages ordentlich mit leckerem Karibikrum kuriert. Wir haben unglaublich viele Leute aus aller Welt kennengelernt. Haben viel gemeinsam über Schiffsproblemen gebrütet und einen Sack neuer Erfahrungen gesammelt. Wir haben viel am Boot geschafft und es randvoll mit Proviant und dem unglaublich günstigen Trinidad-Diesel (20 Cent der Liter) gefüllt.

Auch die Trinis sind einfach super. Da waren z.B. die Autofahrer, die uns einfach mitnahmen und zum Boot fuhren wenn wir uns mit sperrigem Zeug abmühten und die Fischer, die uns Marlinsteaks schenkten, oder der indischstämmige Vishnu, der am Divalifest auf einmal auf unserer Bootsleiter stand uns einen Riesenkarton voll mit leckersten, selbstgemachten Pakoras, Hähnchencurry, gebratenem Reis, Salat, scharfen Sossen und Bier in die Hand drückte. „If you are visiting our country, you have to enjoy“ sprachs und war wieder verschwunden! Oder die Arbeiter von der Werft, die immer ein cooles „yo man, need some help?“ auf dem Lippen hatten und uns mal eben für ´n Bier das Teil von der Sprayhood wieder ranschweissten, als Smutje zugegebenermassen etwas hilflos das erste Mal eigenständig mit einem Schweissgerät rumhantierte. Auch die nettem Verkäufer vom Wochenmarkt in Port of Spain und die Diskofahrten in den, mit fetten Lautsprechern bestückten, Sammeltaxis werden wir in Erinnerung behalten. Dennoch sind wir froh, wieder unterwegs zu sein und freuen uns auf die nächste Etappe. Wohin es geht wissen wir noch nicht, zu viele neue Anregungen anderer Segler haben unsere Pläne mal wieder auf den Kopf gestellt. Jetzt heisst es erstmal limen im schönen Tobago, dann mit Besuch aus Deutschland ein paar Buchten abklappern und dann langsam sehen, wohin es weitergeht. Karibik wir kommen!