Naja, eigentlich sind wir noch in Portugal, aber immerhin so ziemlich am südlichsten Zipfel: in Portimao an der Algarve. Die Winde stehen günstig und Afrika lächelt hinter dem Horizont zu uns hinüber, aber wir sind einfach zu lazy. Portimao ist nicht gerade eine Perle, hinter dem schönen weissen Sandstrand reihen sich die Betonbunker der Chartertouristen aneinander, welche stolz ihre verkohlten Wampen an der Promenade spazieren tragen. In der Stadt ist auch nicht viel Altes übriggeblieben. Aber das ist uns egal, es ist schön warm, die Sonne lacht, das Meer ist tiefblau und angenehm ruhig und so ist für uns jetzt erstmal Urlaub angesagt! Hinzu kommt, dass wir endlich unsere Internetfreunde Stefanie und Kosta von der „Ikoko“ mal live und in Farbe getroffen haben. Wir verbringen viele lustige Abende zusammen und es ist, als würde man sich schon ewig kennen. Zusammen verdrücken wir Fleischberge bei einem brasilianischem Grill und kochen und futtern uns durch die unglaubliche Palette der Meeresfrüchte dieser schönen Küste. Dazu viele lustige Geschichten und Vino Tinto satt. Pura Vida!

Sind wir froh im Süden zu sein, denn leicht war es nicht, den Norden hinter uns zu lassen. Als der Norder nach drei Wochen endlich einsetzte kamen wir immer noch nicht weiter. Zu hohe Wellen, brechende Wellen in der Hafeneinfahrt, Hafen gesperrt. Zähneknirschend saß die Seglergemeinschaft im Hafen und wartete, dass der unter Strafe gesperrte Hafen endlich wieder öffnet. Ein paar Meilen weiter brach ein Surfer derweil einen Rekord, indem er eine 30 Meter Welle absurfte – bei uns krachten die Brecher nur so über die Hafenmole. Langsam, sehr langsam beruhigte sich das Meer dann aber wieder. Wir planten den Absprung, luden das Boot voll Proviant und stellten den Wecker, doch als wir am nächsten Morgen bei Tagesanbruch und perfekter Tide den Kopf aus der Luke steckten, hing da immernoch der verdammte schwarze Kegel, der die Sperrung des Hafens markierte. Na denn – wieder ab in die Heia und Augen zu, doch ein paar Stunden später action am Steg. Der Kegel war weg und die Ausfahrt für ein paar Stunden geöffnet. Grosse Aufbruchstimmung! Also nicht lang Fackeln und raus in die immernoch recht wilde See. Die Wellen kamen kreuz und quer und schüttelten uns kräftig durch, waren aber nicht mehr brechend und gefährlich. Der Norder war auch noch konstant und so schossen wir kurzerhand in 48 Stunden und zwei schaukeligen Nächten durch bis Sines, dem letzten Hafen an der portugiesischen Westküste. Voller Euphorie beschlossen wir bis an die Algarve durchzusegeln, doch kaum war die Entscheidung gefallen, schlief der Wind komplett ein. Also Motor rein und gefrustet Richtung Sines, das uns am Horizont wie ein Industriemoloch entgegenqualmte. Doch der Frust war schnell verflogen, denn hinter der hässlichen Fassade verbarg sich ein gemütliches Hafenstädtchen und wir merkten deutlich den Süden. Wärme, trockene Luft und eine Vegetation, die viel Hitze gewöhnt ist. So blieben wir dann auch drei Tage und warteten auf den perfekten Wind. Der kam dann auch, und am Ende des dritten Tages warfen wir die Leinen los und schlängelten uns durch die Ozeanriesen wieder hinaus aufs Meer. Die Berechnungen stimmten und so erblickten wir, nach einem wunderbar entspannten Segeltörn, pünktlich zum Sonnenaufgang die Algarve hinter dem Cabo de Sao Vicente. Die Wellen wurden kleiner und kleiner und begleitet von mindestens 20 Delfinen glitten wir wie auf Schienen bis nach Portimao.

Proviant ist gebunkert, die „Inti“ gewienert, Wind und Welle sind günstig und sogar einen neuen Haarschnitt haben wir uns gegönnt. Jetzt gilt es nur noch die angenehm gemütliche Faulheit zu überwinden und dann heisst es: bye, bye good old europe, hello africa!