Drei Wochen sind wir jetzt im guten alten Bremen. Hört sich erstmal dramatisch nach ernsten Problemen an, aber nein: es gefällt uns richtig gut hier! Wir liegen in der superfreundlichen „Bootswerft Maleika“ mitten in der Stadt.

Nicht nur Hafenmeister Roland und seine Frau sind schwer in Ordnung (wir möchten dankend den Tütentrageservice bis ans Boot erwähnen!), wir zahlen auch nur einen Spottpreis und haben alles an Bootsausrüstern, Motorenwerkstätten, Schlossereien usw. um die Ecke. Darüber hinaus freuen sich unsere Familien natürlich riesig, dass wir mal wieder etwas länger in der Stadt sind. Also haben wir nicht lange gezögert und nochmal richtig rangeklotzt, um die wichtigsten Baustellen endlich mal vom Tisch zu haben. Die Naviecke ist jetzt zusammengebaut und AIS, Navtex, UKW, GPS und, besonders wichtig für den Ex-Tontechniker-Smutje, die Soundanlage sind endlich nicht mehr nur provisorisch verdrahtet. Darüber hinaus sind Kurzwelle, Pactor und Tuner installiert und müssen nur noch mit dem Computer verbunden werden. Das Ganze hat auch noch einen neuen schicken Sicherungskasten und extra dicke Kabel bekommen, damit wir auch schön mit voller Leistung über den Ozean funken können.  Roststellen und  Holzteile bekamen natürlich auch mal wieder  Wellness und die INTI wird immer hübscher und hübscher.

Mit unserem Tatendrang haben wir auch noch Smutjes Vaddi Ulli und Schwager Nick angesteckt. Ulli baute uns Regalbretter in den Schrank und siehe da: wir haben auf einmal dreimal soviel Platz für unsere Klamotten. Mit Nick, der früher mal Aluboote gebaut hat, schweißten wir uns einen 1A-Niro-Geräteträger, auf dem Ulli dann mit der Capitana 200 Watt Solar installierte, während der Smutje mal wieder unter Deck wie ein Irrer kabelte und krimpte. Auch hier war uns unser Glück wieder hold und wir gerieten an die extrem nette „Robert Wisniewski Metall + Treppenbau GmbH“, nicht nur dass wir die Nirorohre für kleines Geld bekamen, wir durften auch die Maschinen benutzen und bekamen kurzerhand eine nagelneues Mig-Mag-Schweissgerät in die Hand gedrückt, weil „Vor Ort ist das ja einfacher anzupassen“. Das alles ohne einen Cent Geld vorgestreckt oder unsere Adressen oder sonstigen Papierkram dagelassen zu haben. Wir waren mal wieder schwer begeistert von so viel Vertrauen!!

Natürlich haben wir auch noch ordentlich gefeiert. Im Garten von Smutjes Eltern feierten wir Hochzeit. Es wurde eine wunderschöne Zeremonie.  Capitanas Vater (Pastor) traute uns unter Blumen und Pflanzen während Ulli, Cacho und Ramon lateinamerikanische und plattdütsche Lieder spielten bevor sie den Grill zu einem kräftigen Asado anfeuerten, zu dem die Mütter und Schwestern schon so einige Leckereien gekocht und gerührt hatten. Die über Deutschland verstreuten Geschwister und Nichten waren da und sogar Smutjes Schwester Elisa, die normalerweise auf Rapa Nui (Osterinsel) lebt. Auch einige  unserer Freunde kamen angereist und so wurde es ein sehr schönes und vor allem auch sehr emotionales Fest. So einige Tränen wässerten den Garten, vor Freude, Rührung aber auch vor Traurigkeit denn so einige unserer Lieben werden wir wohl für längere Zeit nicht sehen.

Alles lief also perfekt. Die INTI wurde ordentlich aufgeräumt, sortiert und mit Bergen von Proviant vollgestopft. Denn nun wollen wir wirklich los und zwar möglichst zügig, natürlich direkt gen Süden, bevor uns der Herbst einholt.

Der Wind drehte schon auf die richtige Richtung, doch dann (!!!!!!!) erhob der Klabautermann mahnend seinen Finger und rief: „Ihr habt euer Boot noch nicht getauft, ihr Landratten, so geht das aber nicht!“ Als die Crazy-Chaos-Crew immer noch nicht hören wollte wurde er immer erzürnter und legte wie von Geisterhand das Ventil um, das einmal Salzwasser zum Spülen in die Küche lassen soll. Das alles geschah, während wir gemütlich am Baum arbeiteten und den verhedderten Unterliekstrecker in Ordnung brachten. Der nächste Blick in die Kajüte entlockte der Capitana einen Schrei des Entsetzens: schwimmende Bodenbretter und Wasser überall!!! Die Capitana pumpte wie wild, während der Smutje durchs Wasser watete, alle Ventile und Durchbrüche kontrollierte und den Grund für den Wassereinbruch suchte. Als wäre es nicht genug, fing es auch noch wie wild  zu regnen an. Der Klabautermann schien richtig sauer zu sein. Nach geschlagenen zwei Stunden des Pumpens und Schöpfens hatten wir das Boot dann endlich wieder leer und standen erneut vor dem totalen Chaos. Der Smutje vergoss die eine oder andere Träne über seiner geliebten alten Dame, dem Motor, die bei uns in der Bilge wohnt und einmal komplett unter Wasser getaucht wurde. Wir räumten und trockneten die halbe Nacht und siehe da: wir hatten mal wieder Glück im Unglück. Das Wasser war „nur“ bis kurz über die unteren Schapps gekommen, so dass die Elektrik und unser Proviant zum grössten Teil trocken blieben. Bis auf ein paar Packungen Nudeln und ein bißchen Backzeugs konnten wir alles behalten. Die Büchsen haben allerdings ihre Etiketten verloren und wurden von uns beschriftet, ob in dem Durcheinander auch richtig wird sich zeigen.

Einziges Sorgenkind blieb der Motor. Als der Smutje am nächsten Morgen erstmal über 15 Liter Wasser durch die Öffnung vom Ölpeilstab saugte bevor überhaupt ein Tropfen Öl kam, stand der Entschluss fest: professionelle Hilfe muss her! Auf dem Gelände der Malaikawerft befindet sich praktischerweise eine Firma für die Wartung von Schiffsdieseln. „Diesel- und Schiffstechnik Kühl“ erwies sich als echter Glücksgriff. So bekamen wir während der Motorwartung vom extrem freundlichen und hilfsbereiten Dieter Kühl alle wichtigen Schrauben und Wartungspunkte erklärt. Der Smutje gönnte sich noch ein umschaltbares Filtersystem und kann jetzt im laufenden Betrieb den Vorfilter mit Wasserabscheider wechseln-Yipihyajeh! Als wir den Motor entlüften wollten stellten wir noch fest, dass so einige Kleinteile in der Kraftstoffpumpe gebrochen waren und  erneuert werden müssen. Wie gut, dass wir die Wartung noch hier gemacht haben…. Ersatz Öl- Grob- und Feinfilter und eine neue Vakuum-Ölabsaugpumpe haben wir auch noch bekommen und die wichtigsten Werkzeuge liegen nun immer griffbereit.

Jetzt schnurrt die alte Dame wieder wie eine Katze, ist allerdings noch etwas pikiert und möchte alle paar Motorstunden einen Ölwechsel, bis auch der letzte Tropfen Wasser aus ihren Eingeweiden verschwunden ist. Geputzt und aufgeräumt ist nun auch und heute soll es endlich losgehen. Erstmal bis Bremerhaven wo wir der INTI und dem Klabautermann noch eine ordentliche Flasche Schampus, ein bisschen Weihrauch und eine besänftigende Entschuldigung spendieren werden. Dann geht’s raus Richtung England, Aloahe!