„I found an island in your arms, Country in your eyes, Arms that chain, Eyes that lie, Break on through to the other side“ The Doors

Der große Tag der Abreise aus der Karibik rückte näher. Schnell noch einige Kleinigkeiten erledigen, bevor wir den Anker endgültig in Puerto Lindo lüften. Doch der will partout nicht, ist das ein Zeichen? Nach zweieinhalb Monaten hat sich ein dickes, stinkendes Korallenriff auf der Kette gebildet und nur mit vielem Putzen und Kratzen mit dem Spachtel und Schraubenzieher bekommen wir die Kette letztendlich heraus. Ab geht es nach Colòn, dem Tor zum Panamakanal, denn am nächsten Tag soll unsere INTI für die Kanalpassage vermessen werden. Ein leichtes Lüftchen trägt uns ruhig in die weniger ruhige Bucht von Colòn. Ein Frachter neben dem anderen liegt hier schon vor der Einfahrt in den Hafen Cristobal de Colòn auf Reede. Der Himmel wird immer grauer und über dem Festland zucken die Blitze gleissend in den Bergen. Bald fallen die ersten dicken Tropfen und die Sicht wir immer miserabler. Wir beschliessen, nicht wie geplant zum Club Nautico zu fahren, sondern für eine Nacht in den Flats zu ankern und klemmen uns hinter einen riesigen Frachter, der uns sicher in den Hafen führt. Der Funk ist eine Quelle wahrer Heiterkeit bei der trüben Einfahrt. Jedes Schiff, ob groß ob klein, muss sich vor der Einfahrt bei der Hafenaufsicht anmelden und da die Funksprache englisch ist gibt es einige Verwirrungen, da fragt der Funker der riesigen Autotransporteure mit philippinischem Akzent, der nächste Tanker mit russischem Einschlag und das Containerschiff mit niederländischem Akzent. Bevor uns das Gewitter erwischt schmeißen wir unseren Anker im Gebiet für Kleinfahrzeuge und machen uns erstmal einen gemütlichen Abend, umringt von Kränen, dem tiefen Wummern riesiger Dieselmotoren und diversen Alarmsirenen der Hafenfahrzeuge.

Am nächsten Tag lassen wir uns den Termin für die Vermessung bestätigen und schon naht das Lotsenboot, welches den Herrn Vermesser bei uns abliefert. Der kommt mit einem kleinen Massband wie aus der Nähtruhe und einem Berg Papiere. Schnell hat er unsere Schüssel vermessen, letztendlich war auch klar, dass wir unter 50 Fuß gross sind, der Untergrenze zur Gebührenberechnung. Jetzt noch einiges an Bürokratie mit dem sehr freundlichen Herrn abhaken und dann ist er auch schon wieder verschwunden. Wir starten den Motor und nach einiger Verwirrung ob der Wassertiefe vor dem Club Nautico fällt die Kralle. So, jetzt heisst es diese teure Passage bezahlen, über 1800 Dollar kostet der Spass. Immerhin 800 bekommen wir wieder, wenn INTI ohne Panne auf der anderen Seite ankommt. Also Geld zusammenkratzen, gut am Körper verstecken und auf zur Citibank, wo man bar die Passage bezahlen kann. Doch leider ist die entsprechende Beamtin nicht da, kann auch nicht erreicht werden. Nach einer halben Stunde sagt man uns, sie sei in einer halben Stunde da. Okay, dann essen wir erstmal was. Nach Ablauf der Zeit trudeln wir wieder in der Filiale ein, doch auch nach 20 Minuten ist die Dame nicht da. Hmmmm, da wird guter Rat teuer und auf einmal kann der Bankangestellte die Sache doch selbst regeln. Da schau her. Nun ist das Geld bezahlt und abends kann man den Kanalscheduler anrufen, um den Termin für die Passage zu erfahren. Sind wir aufgeregt! Es ist Mittwoch. Mit zittrigen Finger tippen wir die Nummer ein und schildern unser Anliegen. Jaja, wie wäre es denn mit Samstag? Schluckschluck, das ist sehr bald, ob denn auch der Montag passen würde? Ja, kein Problem, Montag geht klar, der Lotse kommt um 15h in den Flats an Bord. Puhh, das sind jetzt Fakten.

Und so proviantieren wir für die Kanalfahrt, kochen Essen vor, waschen in einem völlig heruntergekommenen Waschsalon Berge von Wäsche (dass da auch mal Schuhe in der Maschine landen und der chinesische Besitzer dann den Stecker aus der Wand reisst- nur nebenbei), gehen auf den Obst- und Gemüsemarkt, Capitana zum Zahnarzt und so fliessen die Tage dahin. Bei einem unserer Wege werden wir von einem älteren Panamesen angesprochen:“ Sie sind doch Deutsche?“ „Ja“ antworten wir etwas verwirrt. Nun denn, er habe einige Jahre in Deutschland gelebt, erklärt er uns in gutem Deutsch und nun wolle er seinen Freunden mal beweisen, dass er deutsch sprechen kann. Flugs sind wir eine Strassenecke weiter, und er beweist seinen Freunden, Polizisten, dass er sich mit uns unterhalten kann, und wir führen gemeinsam ein Beweisgespräch und müssen uns aber irgendwie auch alle ganz schön zusammenreissen, um nicht loszuprusten, inklusive dem Freund, den Polizisten.
Am Sonntagnachmittag stehen die ersten Linehandler, unsere Segelfreunde Luna und Eiki, vor der Tür. Die Kanalvorschrift sieht vor, dass neben dem Kapitän vier Personen an Bord sind, die in den Schleusen die Leinen bedienen. Wir verbringen einen wunderschönen Nachmittag und Abend an Bord der INTI, denn es ist auch Lunas Geburtstag. Am Ende sinken wir in unsere schaukelnden Kojen, denn hier vor dem Hafen düst ein Lotsenboot nach dem anderen mit einem Affenzahn vorbei und macht ordentlich Welle. Am nächsten Tag kommt noch der letzte Linehandler Seppe an Bord und es kann losgehen. Seppe haben wir in Puerto Lindo kennengelernt, er hat schon die halbe Welt bereist und zwar völlig ohne Flugzeug, nur mit Schiffen, Zügen, Bussen oder zu Fuss. Wir verstauen das Dingi an Bord und machen uns auf Richtung Flats, wo der Lotse aufs Boot kommt.
Doch schon auf dem Weg das erste Manöver: Panamahut über Bord! Smutjes neu erworbener Panamahut fliegt davon und schaukelt fröhlich in der Welle. Also zwei Mann in den Ausguck, der dritte bändzelt den Bootshaken los, Smutje fährt eine geschmeidige Wende und schon ist das geliebte und teure Stück wieder an Bord, getauft im salzigen Wasser der Karibik. Wir ankern an angegebenem Ort und kochen uns ein schönes Mittag. Kaum abgewaschen nähert sich das Lotsenboot und ein sportlicher Kerl schwingt sich über die Reling. Jetzt wird es richtig kuschelig auf der kleinen INTI. Zumal sich am Himmel mal wieder was zusammenbraut. Aber unseren Lotsen stört das wenig: „Eso es Panamá, That´s Panama.“ Und los gehts.

Kleinere Boote werden bei den Durchfahrten zusammengebunden und durch vier Leinen zum Schleusenrand in der Mitte gehalten. Die äußeren Boote bedienen dann die Schleusenleinen. Wir sollen uns an eine Luxus-Motoryacht festmachen. Wild springen die Besitzer und Linehandler auf dem Boot herum, sie sind äusserst nervös und die Angst steht ihnen ins Gesicht geschrieben, diese kleine Hippie-Rostlaube an unsere YACHT? Ein Fender nach dem anderen wird zwischen deren Boot und unsere liebe INTI geschoben, und so waren es am Ende fast 20 Stück, wobei die Hälfte durchaus ausgereicht hätte. Rein gehts in die Schleuse und schon fliegen die Affenfäuste mit den Sorgleinen, die die eigentlichen Leinen zu Schleusenrand ziehen. Unsere Leinen bleiben liegen, die Luxusyacht übernimmt das linehandling und so haben unsere Freunde und wir nichts zu tun, ausser unser Sonnen-und Regendach ab und zu entleeren, damit der Lotse nicht komplett durchweicht wird und wir uns sehr angenehm unterhalten können. Jetzt geht es ersteinmal Hoch, drei Schleusen hinauf in den Gatunsee. Es regnet in Strömen, doch glücklich, dass alles so einfach verlaufen ist, machen wir an einer großen Mooring im Gatunsee fest. Fünf Leute an Bord und es regnet Bindfäden, das ist Zeltlager mit Käsefußaroma. Doch wir machen es uns gemütlich, futtern und trinken gemeinsam und sinken müde in die Koje, denn tags darauf soll der Lotse um 7h morgens kommen.

Um 8h ist er da, der Regen hat aufgehört und so knattern wir die lange Strecke durch den Gatunsee, ab und zu passieren uns die großen Pötte und Kreuzfahrtschiffe, wir halten Ausschau nach Krokodilen, die hier leben sollen, werden aber nicht fündig. Vor den nächsten Schleusen sollen wir wieder mit der Luxusyacht zusammengehen. Heute ist die Crew noch nervöser als tags zuvor, alle reden wild auf uns ein, doch wir bewahren Ruhe und lassen uns außer von unserem Lotsen nicht reinquatschen. Da das Nachbarboot die Leinen übernimmt, haben wir viel Zeit mit unserm Lotsen zu reden, Fotos zu machen und zu relaxen. Zwischen der ersten und den beiden letzten Schleusen ist eine kleine Strecke zurückzulegen, doch dann geht auf einmal alles ganz schnell, kaum ist die vorletzte Schleuse bewältigt geht es schon weiter und es öffnen sich die Tore zum riesigen Blau-dem Pazifik! Wir können es bis heute noch nicht fassen, dass wir uns nun im friedlichen Ozean befinden, eine große blaue Weite erstreckt sich vor uns und hier werden wir die längsten Strecken bisher zurücklegen und wir freuen uns!!!! Doch zunächst unterqueren wir die große Brücke, die Puente de las Americas, die Nord- mit Südamerika verbindet, klein fühlen wir uns, ganz klein. Dann geht es weiter und die Skyline von PanamaCity taucht vor uns auf. Langsam arbeiten wir uns vor zum Ankerplatz „Las Brisas“, wo wir freudig von einem Segelkumpel begrüsst werden. Der Anker fällt, braucht eine Weile, um sich einzugraben, zudem sind hier drei Meter Tidenhub zu beachten, aber letztendlich hält er. Ciao Atlantik, adios Karibik, Pazifik wir kommen!

Ihr wollt auch durch den Kanal und fragt euch wie? Wir sind ohne Agenten durch und haben eine Anleitung dazu geschrieben. Ihr findet sie auf unserem Blog hier: Anleitung zum Durchqueren des Panamakanals

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