…haere opa-opa,opa-opa te pahi-Tetere mai nei Rapanui nei ….. Schwankend im Meer fährt das Schiff, während es sich Rapa Nui nähert. Aus „Opa-Opa“, polynesisches Volkslied

Sie sind in Rapa Nui, der Osterinsel oder dem Nabel der Welt, wie die Einwohner ihre Insel nennen. Und sie tanzen! Smutje und Capitana tanzen vor Freude auf diesem einzigartigen Flecken Erde, meilenweit entfernt vom Festland. Sie tanzen auf dem grossen Tapatifest, sie tanzen in ihrem Boot vor Anker und sie tanzen vor Freude, als endlich alle Hürden genommen sind, um INTI an Land zu bringen.

Was für eine Insel! Saftige Natur, leuchtendes Grün, mit Wasserpflanzen bedeckte strahlend blaue Seen in den Vulkankratern, Kühe und Pferde, die so nahe an den zerklüfteten Küstenfelsen grasen, dass sie abzustürzen drohen. Und natürlich die überall allgegenwärtigen Moais. Starr stehen sie in Reih und Glied und schauen ins Inselinnere. Naja, schauen können sie nicht, denn nur ein einziger Moai hat seine wunderschönen Augen behalten, alle anderen haben sie auf unerklärliche Art verloren. Jeder Tag ist ein Fest,  hier wird gerne gefeiert und dabei viel und vor allem gut gegessen. Überall gibt es Grills und Feuerstellen, die Menschen sitzen zusammen und geniessen, es werden schnell ein paar Fische aus dem Wasser gezogen, eine Kuh geschlachtet und die Grillerei kann weitergehen. Smutje und Capitana sind hier in sehr guter Gesellschaft, die Verwandtschaft kümmert sich prächtig um ihr Wohlergehen und die anderen Segler schliessen sich an, eine fröhliche Gemeinschaft tut sich zusammen um das süsse Leben auf dieser faszinierenden Insel zu geniessen. Im idyllisch und weit ab gelegenen Campo von Smutjes Schwester und Schwager geniessen wir die absolute Ruhe, untermalt vom schönen Gitarrenspiel und Gesang vom Schwager Claudio, das sowohl Wehmut als auch Lebensfreude präsentiert. Leise zirpen die Grillen und irgendwo rauscht das Meer. Die vulkanische Erde ist unglaublich fruchtbar, hier wachsen gigantische Wassermelonen, etliche Arten von Süsskartoffeln, wilde Pferde und Kühe traben fröhlich durch die Landschaft und die einzige Gefahr beim nächtlichen Autofahren sind Kühe auf der Strasse oder den Wegen.

Wie jedes Jahr findet gerade das Tapatifest statt, bei welchem unterschiedliche Wettbewerbe ausgetragen werden, um am Ende eine Inselkönigin zu krönen. INTI liegt etwas abgelegen im malerischen Anakena vor Anker und Smutje und Capitana beschliessen in die Stadt Hanga Roa zu fahren um ein wenig einzukaufen. Sie strecken den Daumen in die Luft und schon hält ein Pick-Up an. Hanga Roa-okay. Doch nix Hanga Roa:“ Da ist doch nichts los heute, es ist TAPATI!!!!!!“ Und so setzt uns der Fahrer kurzerhand am Ort der Festivitäten ab. „Das müsst ihr sehen!“ Was für ein Spektakel im Vulkankrater! Die Polynesier paddeln, nur mit kleinem Sackhalter bekleidet, auf selbstgebauten Kanus einmal durch den See, schmeissen sich anschliessend Bananenstauden über die Schulter, um damit dann den See laufend zu umrunden und dann noch eine Runde ohne Bananen und nochmal durch den See. Respekt! Weiter geht es mit einem Pferderennen. Muskulöse junge Männer galoppieren todesmutig ohne Sattel auf wunderschönen Pferden eine idyllisch am Meer gelegene Strecke ins Ziel, hübsche, stolze Mädchen mit Blumen im Haar feuern sie an und schwingen sich anschliessend auf die Rücken der Pferde. Der Startschuss für eine Ruderregatta fällt direkt zwischen den Segelbooten, wieder sieht man gutgeformte Körper mit stahlharten Muskeln die Ruder bearbeiten. Ein anderes Event ist das Hakapei. Hier rutschen Männer auf Bananenpalmen mit Affenzahn einen steilen Vulkan herunter, wer die längste Strecke gerutscht ist, gewinnt. Nichts für Weicheier, hier gab es leider in den letzten Jahren immer wieder Verletzte, doch dieses Jahr verläuft alles gesund und friedlich. Am Strand von Anakena findet ausserdem für Alle, Einheimische und Touristen ein kostenloses Curanto statt. Dabei werden ganze Kühe, Süßkartoffeln und mehr in einem gigantischen Erdloch gegart und am Ende ist alles butterweich und zart und einfach unglaublich köstlich.

Das Highlight für Smutje und Capitana ist jedoch die Faràndula, ein Umzug mit traditionellen Kostümen, Gesängen, Musik und Tänzen. Dafür wird eifrig vorbereitet, denn es gibt Punkte zu vergeben für die schönste Dekoration, bzw. Kleidung. Erstmal werden die Klamotten vom Leib geworfen und ab geht es in eine Wanne mit braunem Schlamm, der den Körper bedeckt, dann werden Kränze geflochten und der Körper nocheinmal mit anderen Farben liebevoll bemalt. Man schmückt sich mit allem, was da ist, Federn, Kokosnuss-BH’s, Muschelbikinis, die Männer wieder im knappen Tanga jedoch mit unglaublichem Kopfschmuck und martialischen Stöcken ausgerüstet. Dann gehts los, die Jury vergibt Punkte, doch Smutjes und Capitanas, doch eher an Vogelscheuchen erinnerndes, Outfit bekommt nur 5 von 15 Punkten, aber gute Laune ist alles. Der Zug setzt sich in Bewegung mit viel Gesang und Getrommel. Am beeindruckendsten sind die Männer von den Marquesas. Tänzerisch und mit viel kunstvoller schwarzer Bemalung zeigen sie ihre Kampfkunst und machen uns neugierig auf das, was wir noch alles sehen und erleben werden auf dieser Reise. Am Ende des Tages springen wir ins Meer, um unsere Farbe abzuwaschen und uns zu erfrischen. Ein wundervoller Tag geht zu Ende. Und das ist nur einer von vielen.

Unsere INTI steht mittlerweile an Land, da sich die Welle verzogen und wild geklappert hat. Um das zu ermöglichen mussten Claudio und Smutje sich durch alle erdenklichen Behörden der Insel arbeiten, die chilenische Bürokratie ist noch wahnsinniger als die deutsche. Doch dann geht auf einmal alles ganz schnell, Onkel Luis holt den Kran, Brüder, Neffen, Cousins und Seglerfreunde ziehen Leinen, schieben Container als Zwischenstützen, sägen Baumstämme als Ständer und INTI wandert Schritt für Schritt zu ihrem Parkplatz. Unser Schwager Claudio baut im Schatten des Nachbarbootes in Windeseile einen Tisch auf, eine Feuerstelle mit Grill gibt es bereits im Hafen. Die Gitarre wird ausgepackt, ein paar Getränke geholt und so sitzen wir oft zwischen unseren Arbeiten zusammen und geniessen das Leben. Schnell sind ein paar Fische geangelt und auf den Grill geworfen, Süsskartoffeln (Camote) und Taro gekocht, die Fischgerippe und Köpfe geben noch eine wunderbare Suppe her und unsere Bäuche wachsen und unsere Zufriedenheit noch mehr. Menschen kommen auf einen Schnack vorbei, bringen uns Tomaten aus dem eigenen Garten oder mal eine Flasche Wein und Käse. Wir geniessen die Herzlichkeit und Wärme der Menschen auf der Insel aber ebenso das angenehme Klima. Keine Feuchtigkeit, die das Boot schimmeln lässt, keine Hitze, die einen in einer Wasserlache aufwachen lässt, wie die letzten Jahre in den Tropen.

Die Arbeiten am Boot gehen auch voran, es findet sich immer wieder jemand, der jemanden kennt der uns helfen kann. Eine Hündin haben wir auch schon in unserem neuem Zuhause mit Blick auf Moai und die wilde Brandung des Pazifiks. Jeden Abend kommt sie uns wild mit dem Schwanz wedelnd besuchen um ein wenig zu spielen und die Reste der letzten Grillparty zu verspeisen. Danach legt sie sich unters Boot und passt auf.

Nachträglich feiern wir Weihnachten, Smutjes Eltern kommen zu Besuch und haben die Koffer voll mit Geschenken der Familien in Deutschland. Was für ein Fest!

Der vorläufige Höhepunkt unserer Fiestas findet an einem ganz besonderem Ort statt. Im Campamento Revolutionario kommen die Crews von fünf Segelbooten, unsere Familien aus Deutschland und Rapanui und viele andere Freunde zusammen, um fünf Geburtstage und den Abschied der Boote Richtung Gambier zu feiern und gleichzeitig die Rapanui in ihrem Kampf gegen die chilenische Enteignung und Bebauung ihres Landes zu unterstützen. Und so feiern wir, umgeben von Flaggen und Plakaten, gegenüber einem gewaltigem, illegal durch eine chilenisch-deutsche Familie gebauten Hotelkomplex, ein rauschendes Fest. Akkordeon, Gitarren und Rasseln werden ausgepackt und Lieder aus Frankreich, Deutschland, Chile und Griechenland vermischen sich mit den Melodien und Gesängen der Osterinsel. Auf dem Grill brutzeln Berge von Fleisch, Salate und Wassermelonen türmen sich, Wein und Bier fliesst in Strömen und es wird viel gelacht und gesungen. Wir sind einfach nur glücklich! Wie oft haben wir daran gedacht wie schön es wäre, einmal ein Fest zusammen mit unserer eigenen und der Seglerfamilie zu feiern. Die anderen Angehörigen und Freunde in Deutschland sind in unseren Herzen und Gedanken dabei, wie schön wäre es, auch sie dabei gehabt zu haben.

Und so geniessen wir diese einmalige Insel auf die wir uns so lange gefreut haben. Ein unbestrittener Höhepunkt unserer bisherigen Reise! Die Zeit verrinnt im Flug, schon sind es über sechs Wochen und viele wollen uns am liebsten hier behalten. Doch die Winde drängen uns langsam aber sicher auf das Meer, Anfang April sollten wir spätestens weiter nach Pitcairn und Gambier segeln.

Wir danken Stefan von Abraxas und Elisa für die Fotos, die wir nutzen dürfen.

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