Anleitung zum Durchqueren des Panamakanals ohne Agenten

Der Panamakanal bereitet vielen Seglern einiges an Sorgen, da etliche Gerüchte und Geschichten über die Abwicklung des Transits bestehen. Immer wieder stellt sich daher die Frage: soll ich für die Anmeldung und Abwicklung einen Agenten nehmen oder nicht? Ein Agent vereinfacht die Sache natürlich, kostet aber je nach Agenten 250-600 Dollar. Wir haben im Oktober 2016 den Panamakanal ohne Agenten durchquert und haben den Prozess einfach und problemlos erlebt. Vielleicht muss dazu erwähnt werden, dass wir spanisch sprechen, die Personen an den wichtigsten Stationen sprechen aber auch sehr gut englisch und die Formulare sind auch in Englisch. Hier Schritt für Schritt unser Vorgehen:

1. Einloggen in das System

Um den Transit zu starten muss man erst einmal bei der Kanalbehörde registriert werden. Wir sind dazu direkt zum Büro des Hafenkapitäns (Englisch: „Portcaptain“/Spanisch: „Capitaneria“) in Colon gegangen. Dazu betritt man den geschlossenen Bereich des Hafens bei der Pforte im Bereich der Autoriad Maritima und Citibank. Dazu muss man seinen Pass vorzeigen und wird nach dem Grund gefragt (Kanaltransit: „Transito del Canal“). Ein kostenloser Arbeiterbus bringt einen dann zur Capitaneria. Dort erwartete uns eine sehr nette junge Dame, die uns ein Formular ausfüllen ließ und unsere Bootspapiere kopierte. Danach waren wir im System und konnten einen Termin zum Vermessen des Bootes vereinbaren. Darüber hinaus bekamen wir ein sehr gutes Formular in Englisch mit allen Informationen und weiteren Schritten ausgehändigt. Das Formular heisst „Procedures for securing a handline transit of the Panama Canal“ und kann auch unter http://www.pancanal.com/eng/op/forms.html aus dem Internet geladen werden.  Wir haben von anderen Booten gehört, dass dieser Schritt auch per E-Mail oder sogar telefonisch erledigt werden kann. Die Telefonnummer der Capitaneria lautet: +507 443 2298.

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2. Vermessen des Bootes und Papierkram

Die Vorschriften des Panamakanals verlangen, dass jedes Boot ausgemessen wird. Dazu findet man sich zum vereinbarten Termin entweder in der „Shelter Bay Marina“ (unverhältnismässig teuer) oder im durch gelbe Bojen ausgewiesenen Ankerfeld für Kleinfahrzeuge (genannt Flats) ein. Position 09 20.60 N 079 54.76 W. Wir sind einen Tag vorher in Colon eingelaufen und haben in den Flats geankert. Es empfiehlt sich, sich den Termin für die Vermessung einen Tag vorher noch einmal telefonisch bestätigen zu lassen (+507 443 2298). Beim Einlaufen in den Hafen Cristobal de Colon meldet man sich per UKW Kanal 12 bei der „Cristobal Signal Station“ an und gibt Bescheid, dass man sich zum Vermessen in die Flats begibt. Unser Vermesser wurde zum vereinbarten Termin von einem Lotsenboot zu unserem Boot gebracht. Neben dem Ausmessen mussten wir verschiedene Angaben zum Boot machen. Wichtig ist, dass man mindestens 5 Knoten Geschwindigkeit erreichen kann, eine Toilette und eine Gashupe besitzt. Danach händigte uns der sehr nette Herr (sprach ebenfalls englisch) unsere lebenslange Registrierungsnummer, Formulare für uns, für den Lotsen und zum Einzahlen der Gebühr bei der Citibank aus. Für die Vermessung fallen keine Gebühren an, diese sind in der allgemeinen Kanalgebühr enthalten. Nach der Vermessung verlegten wir unser Boot zum „Club Nautico“ im Bereich Manzanillo des Hafens. Position 09 21.82 N 079 53.60 W. Vor dem Club kann man kostenlos und sicher ankern, allerdings ist es etwas rollig, da ein reger Verkehr an Lotsenbooten besteht. Es gibt Wasser, Wlan und einen Steg zum Anlanden. Vom Club aus kommt man im Gegensatz zur „Shelter Bay Marina“ günstig zu allen Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt. Anlanden mit dem Dingi kostet allerdings 3 Dollar pro Person und Tag.

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3. Bezahlen der Gebühr

Die Kosten der Durchquerung des Panamakanals für ein Boot, das kleiner als 50 Fuss ist, betragen (Stand Oktober 2016) 984 Dollar, hinzu kommt ein Puffer von 891 Dollar, der nach problemloser Durchquerung des Kanals erstattet wird. Der Gesamtbetrag von 1875 Dollar muss in bar bei der Citibank im Hafen von Colon eingezahlt werden. Besitzer eines lokalen oder US-amerikanischen Kontos können diesen auch überweisen. Man bekommt ein Formular ausgehändigt, in dem angegeben werden muss, auf welches Konto der Puffer später zurücküberwiesen werden kann. Bei uns ging der Puffer 10 Tage nach der Durchquerung, abzüglich 25 Dollar Gebühr auf dem Konto ein.

kanaltransit_-14. Vereinbarung des Termins

Am Abend nach der Einzahlung kann man beim Traffic Scheduler telefonisch den Termin vereinbaren.  Nummer +507 272-4202, auch er spricht englisch. Er bot uns einen Termin 3 Tage später an, wir entschlossen uns aber für 6 Tage später, da wir noch einiges in Colon zu erledigen hatten.

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5. Vorbereitungen für den Transit

Die Vorschriften für den Kanal schreiben 4 mindestens 38 Meter lange und ausreichend dicke Leinen, sowie genügend Fender vor. Es gibt verschiedene Anbieter, die diese gegen Gebühr verleihen. Wir entschieden uns für Tito (Telefon +507 6463 5009). Er verlangte 86 Dollar für die Leinen und 6 Autoreifen mit Plastik umwickelt als Fender inkl. Hintransport in Colon und Abholung in Panama Stadt. Noch am selben Tag erschien ein Taxifahrer und brachte uns Leinen und Fender.

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Eine weitere Vorschrift verlangt neben dem Kapitän und dem Lotsen vier sogenannte Linehandler zum Bedienen der Leinen an Bord. Wir (Kapitän+1) brauchten also noch drei weitere Personen. Uns begleiteten zwei befreundete Segler und ein Backpacker, den wir zuvor kennengelernt hatten. Das Helfen anderer Segler durch den Kanal ist unter den Seglern in Panama üblich und verbreitet. Auch wir halfen zuvor einem anderen Boot durch den Kanal. Das ist übrigens sehr zu empfehlen, da man so die Möglichkeit hat, das Ganze einmal vorab ohne Verantwortung für das eigene Boot kennenzulernen. Sollte es an Linehandlern fehlen kann man diese auch gegen Gebühr mieten, Aushänge machen oder auf folgender Website suchen: http://www.panlinehandler.com

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Eine weitere Vorschrift verlangt, den Lotsen angemessen zu verpflegen, es heisst also Proviant einkaufen. Dazu kommt, dass der Kanaltransit Richtung Pazifik zwei Tage dauert. Der Lotse verlässt das Boot über Nacht, die Linehandler bleiben. Auch diese wollen verpflegt werden.

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6. Der Transit

Am Nachmittag vor dem Termin bestätigt man noch einmal telefonisch Termin und Uhrzeit beim Traffic Scheduler. Am nächsten Tag findet man sich dann eine Stunde vor Termin in den Flats ein um den Lotsen aufzunehmen. Dieser wird in einem grossen Lotsenboot gebracht und dann geht es auch schon los. Es empfiehlt sich neben den Standardleinen noch andere Festmacherleinen bereitzulegen, da man meist mit anderen Booten im Päckchen durch die Schleusen geht. Bei unserer ersten Kanaldurchquerung als Linehandler gingen wir im Päckchen mit einem weiteren Segelboot durch die Schleusen. Die jeweiligen Aussenseiten des Päckchens werden durch zwei Linehandler bedient. Bei unserer Durchquerung gingen wir längsseits an ein grosses Motorboot, das das Linehandling alleine übernahm. Sobald man in der Schleuse ist, werden vom Schleusenrand Sorgleinen mit Affenfäusten zum Boot geworfen. An diesen gibt man die eigenen Leinen zurück und diese werden am Schleusenrand belegt. An Bord verändert man die Spannung der Leinen während der Schleusung. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach, der Linehandler muss also nicht unbedingt ein Profi sein. Am ersten Tag geht es drei Schleusenkammern hintereinander hoch in den Gatunsee, wo man an einer Mooring übernachtet. Am nächsten Morgen geht es dann weiter durch den Kanal zu den Pedro Miguel und Miraflores Schleusen und runter in den Pazifik. Im Normalfall ist die Kanaldurchquerung gegen Nachmittag des zweiten Tages beendet.

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7. Auf der anderen Seite

Auf der Pazifikseite gibt es verschiedene Möglichkeiten zu bleiben. Auf der kanalzugewandten Seite von Amador gibt es die Yachtclubs „Balboa“ und „Playita“, auf der anderen Seite den „Flamenco Yachtclub“. Alle sind ziemlich exklusiv, teuer und nicht unbedingt auf Gäste eingestellt. Vor „Playita“ kann man auch ankern, es gibt einen Schwimmponton zum Anlanden, der 50 Dollar die Woche kostet und der Ankerplatz ist aufgrund des Verkehrs im Kanal recht schaukelig. Beim Ankern ist der Tidenhub von ca. 3m zu beachten. Hinter dem „Flamenco Yachtclub“ gibt es das kostenlose „Las Brisas“ Ankerfeld, hier gibt es allerdings nur einen verfallenen Schwimmponton und bei Niedrigwasser muss man klettern. Wir haben allerdings Arbeiten an einen neuen Ponton beobachtet. Von Amador fahren regelmässig sehr moderne, klimatisierte Busse nach Albrook, dem zentralen Busbahnhof. Von dort kommt man mit Bus oder U-Bahn überall hin weiter in der Stadt . Dort gibt es auch eine grosse Shoppingmall und einen guten Supermarkt. Der Bus kostet pro Fahrt 25 Cent, erfordert aber den einmaligen Kauf einer Chipkarte, die man dann mit Guthaben auflädt das man beim Einsteigen in den Bus abbucht. Alternativ kann man mit dem 1 Dollar Taxi nach Cinco de Mayo und zurück fahren. Cinco de Mayo liegt zentral an der Fussgängerzone und  einem wichtigem Busknotenpunkt. Zum Benutzen des 1 Dollar Taxi hebt man einen Finger, wenn das Taxi kommt. Beim Einsteigen nochmal mit „un dollar a cinco de mayo?“ bestätigen! Taxis in Panama haben kein Taxameter und die meisten Taxifahrer wittern bei Ausländern fette Beute.

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